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Mehr gebraucht denn je: Altenpfleger ist ein Beruf mit Zukunft

Ahaus/Papenburg (dpa/gms): Man muss kein Trendforscher sein, um einen steigenden Bedarf an Altenpflegern festzustellen: Immer mehr Menschen werden immer älter und viele haben keine Familie, die ihre Pflege übernehmen kann oder will. «Aber niemand sollte mit der Arbeitssicherheit für den Beruf argumentieren», sagt Wolfgang Dargel, Leiter des Caritas Bildungswerkes Ahaus (Nordrhein-Westfalen), das Altenpfleger ausbildet. Zum einen, weil das als Motivation nicht ausreicht. Zum anderen, weil nicht geklärt ist, wie die Pflege in Zukunft finanziert wird. «Der Druck auf die Einrichtungen zu sparen, ist enorm», sagt Marcell-Andre Nee. Der gelernte Altenpfleger aus Papenburg (Niedersachsen) ist arbeitslos. Dabei hat er schon eine dreijährige Ausbildung hinter sich und ebenso lange Berufspraxis. «Es stimmt schon, der Bedarf ist da, aber niemand will dafür bezahlen.» Zwar liegen ihm Angebote von Zeitarbeitsfirmen vor, aber die zahlten so deutlich unter Tarif, dass sich die Arbeit kaum lohne. Es sind die kleinen Erfolge, die Nee an dem Beruf so schätzt: Die alte Dame, die sich überschwänglich für ihre ersten Schritte nach einem Oberschenkel-Halsbruch bedankt. Oder die Wachkoma-Patientin, die nur über die Augen mitteilt, dass ihr das Konzert gefällt. «Ich habe Spaß am Umgang mit Menschen», sagt er. «Die Patienten aus den Betten rauskriegen», war auch das Motto, unter dem der Altenpfleger zuletzt auf einer Wachkomastation in Bayern gearbeitet hat. Da hatte Marcell Andre Nee nicht nur mit alten, sondern auch mit 25-jährigen Patienten zu tun. «Ich suchte die Herausforderung», erklärt er die Auswahl seines Arbeitsplatzes, den er wegen eines Umzugs aufgeben musste. «Man braucht viel Kommunikationstalent, um mit der Ungeduld und den Fragen der Angehörigen fertig zu werden.»Es ist ein breites Arbeitsfeld, in dem sich Altenpfleger betätigen. Neben dem klassischen Einsatz in Altenheimen, arbeiten sie zunehmend in der ambulanten Pflege, in Krankenhäusern und gerontopsychiatrischen Einrichtungen, die sich mit altersbedingten psychischen Störungen befassen. «Zwischen 1997 und 2004 sind 5000 Stellen für Altenpfleger in Krankenhäusern und 9000 Stellen für Altenpfleger in der ambulanten Pflege hinzugekommen», sagt Michael Isfort, stellvertretender Leiter des Deutschen Instituts für Angewandte Pflegeforschung in Köln.Umgekehrt gibt es auch Krankenpfleger, die in der Altenpflege arbeiten. Steffen Rossa, Pflegedienstleiter der Parkresidenz Alfeld an der Leine (Niedersachsen), ist einer von ihnen. «In einem Altenheim kann ich mehr pflegen als in einem Krankenhaus», sagt der 41-Jährige. «Es geht ja um mehr als nur Waschen und Verbände wechseln.» Wund- und Schmerzbehandlung gehören genauso zur Arbeit wie die Begleitung Sterbender und Demenzkranker. Um den breiten Anforderungen gerecht zu werden, ist die Ausbildung 2003 bundesweit vereinheitlicht worden: «Das hat zu einer Aufwertung des Berufsbildes geführt», sagt Holger Knörr, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Berufsverbandes für Altenpflege (DBVA) in Duisburg. Seitdem ist der Realschulabschluss Bedingung für die dreijährige Vollzeitausbildung. «Und die Auszubildenden sind nicht mehr Angestellte der Schulen, sondern der Altenheime und Sozialstationen», erläutert Wolfgang Dagel. Das führe zu einer stärkeren Identifikation der Altenpfleger mit ihren Arbeitgebern. Mit 750 bis 890 Euro im Monat sei die Ausbildung vergleichsweise gut bezahlt, so der Schulleiter - «sofern nach Tarif bezahlt wird».Anschließend liege das Gehalt bei 1900 Euro Brutto und sei somit besser als sein Ruf. Dafür zehrt die Arbeit an der Substanz, sagt DBVA-Sprecher Knörr. «Überstunden sind keine Seltenheit.» Zudem geht der Trend aus Kostengründen zu den einjährig ausgebildeten Altenpflegehelferinnen und damit zu Lasten der Pflegequalität, sagt Friedhelm Henke, Lehrer für Pflegeberufe in Anröchte-Berge bei Paderborn. «Die Schmalspurausbildung siegt.» Wer sich für den Beruf interessiert, sollte ihn zunächst über den Zivildienst oder ein mehrwöchiges Praktikum ausprobieren. «Anfangs reizt der soziale Gedanke», weiß Fachautor Henke. Aber dann kommt die Realität. Zwar gibt es immer mehr alte und pflegebedürftige Menschen, für die bleibt häufig aber nur wenig Zeit.
Informationen im
Internet: Bundesagentur für Arbeit: »Altenpfleger/in
Von Deike Uhtenwoldt, 17.4.2006

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Hermann Brandenburg:
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