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Aus Liebe zum Gedruckten - Antiquare
handeln mit alten Büchern
Berlin/Frankfurt/Main (dpa/gms) - Der Antiquar Nikolaus
Struck aus Berlin bringt die Voraussetzungen für seinen Beruf auf
eine knappen Nenner: breite Bildung und kaufmännisches Denken. «Und
Respekt vor alten Büchern, sonst sind sie nämlich nur Altpapier.»
Nahezu 7000 Werke stehen in den Regalen von Strucks Geschäft. Dazu
kommen noch mehrere Zehntausend Grafiken, mit denen er vorwiegend
handelt. In Deutschland gibt es schätzungsweise 1000 Antiquariate.
«280 davon sind bei uns Mitglieder», so Norbert Munsch vom Verband
Deutscher Antiquare in Elbingen (Rheinland-Pfalz). «Es sind mit
wenigen Ausnahmen kleine Firmen, die Einzelbetriebe überwiegen.»
Fast bedauernd ergänzt Munsch: «Das Berufsbild Antiquar ist nicht
geschützt.» Tatsächlich gibt es in der Branche eine Menge
Seiteneinsteiger. «Es sind etwa 50 Prozent», sagt Struck.
Der klassische Berufsweg zum Antiquar aber führt nach wie vor über
eine solide Ausbildung. Ein guter Hauptschulabschluss gilt dabei als
Mindestvoraussetzung für eine Lehre, an deren Ende nach drei Jahren
die Prüfung bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer zum
anerkannten Beruf Buchhändler steht. Bei entsprechender Schulbildung
sind Verkürzungen der Ausbildungsdauer vorgesehen: Absolventen der
Wirtschaftsschule lernen in Bayern nur zwei Jahre. In anderen
Bundesländern kann die Ausbildung beispielsweise bei Abiturienten
ebenfalls abgekürzt werden. Während der Ausbildung - in der Regel im
letzten Jahr - gibt es den Schwerpunkt Antiquar. «Diesen pflegen wir
auch in der schulischen Ausbildung», erläutert Thomas Casagrande,
stellvertretender Direktor der Schulen des Deutschen Buchhandels in
Frankfurt. In diesem staatlich anerkannten privaten Institut können
die angehenden Buchhändler in zwei Fachstufen zu je 360
Unterrichtsstunden die in Berufsschulen vermittelten theoretischen
Kenntnisse erwerben. Der Unterricht erfolgt im jeweils neunwöchigen
Internats-Blockunterricht. Die Schule bietet auch Fernlehrgänge mit
dem Abschluss «Grundwissen Buchhandel» für Seiteneinsteiger an.
«Antiquar ist ein Beruf für Individualisten», sagt Bernt Ture von
zur Mühlen, Dozent für Literatur, Verlagsgeschichte und
Antiquariatswesen in Frankfurt. «Die Ausbildung ist zeitaufwendig.»
Derzeit gebe es nur ein Dutzend «klassische» Lehrlinge, dazu aber
eine Reihe von Seiteneinsteigern - abgebrochene Studenten und Lehrer
zum Beispiel. Von zur Mühlen räumt auch mit einer falschen
Vorstellung auf: «Mit alten Büchern wird der durchschnittliche
Archivar nicht reich. Nur die Top 10 der Branche sind vermögend.»
Wie Struck unterstreicht auch der Dozent die Notwendigkeit
wirtschaftlichen Denkens in diesem Beruf. Entsprechend sieht der
Lehrplan der Schule mit dem Schwerpunkt Wirtschaft aus. Allgemeine
Wirtschaftslehre, Buchführung, Kaufmännisches Rechnen, Kosten- und
Leistungsrechnung sowie Planungsrechnung stehen auf dem Programm.
Dazu kommen Sortimentskunde und Verlagskunde. Und natürlich muss ein
Antiquar die Details der Buchherstellung kennen. «Wenn zum Beispiel
von Tafeln die Rede ist, handelt es sich um ganzseitige Abbildungen
häufig in anderer Drucktechnik auf besserem Papier», erläutert
Struck.
Umfangreiches Wissen gehört, wie die Gesprächspartner unisono
versichern, zum Rüstzeug des Antiquars. «Je mehr man weiß, desto
weniger Fehler macht man», sagt Struck. Deshalb gehören
Bibliographie, Literaturgeschichte und vieles mehr zur theoretischen
Ausbildung. Der Antiquar muss historische Zusammenhänge kennen, wenn
er beispielsweise ein eigenhändiges Schriftstück einer bedeutenden
Persönlichkeit bewerten will. «Ein simpler Glückwunsch ist
vielleicht weniger wert als ein Schreiben, das politische
Veränderungen auslöste», erläutert Struck.
Millionen von alten Büchern füllen die Lager und Regale von
Antiquariaten. «Wenn Sie ein Buch über Homöopathie für die Katze
suchen, werden Sie sicher eines finden», umreißt von zur Mühlen die
Bandbreite des Angebots. Viele Händler bedienen sich inzwischen des
Internets, sei es um anzubieten oder zu kaufen. «Auch auf Auktionen
und Messen versorgen sich die Antiquare», meint Struck. Der Kampf um
gutes Material sei hart, fügt er hinzu. Antiquare erleben derzeit
keine Blütezeit. «Der Markt stagniert», stellt Struck fest.
Entsprechend wirkt sich dies auf das Stellenangebot aus.
«Lehrstellen sind selten», bekräftigt Munsch. Doch wer unbedingt mit
alten Büchern handeln will, kann dies auf Flohmärkten versuchen und
sich sogar einen Gewerbeschein beschaffen, um später vielleicht ein
Antiquariat zu eröffnen. Doch auch für diese Berufsanfänger gilt ein
in Fachkreisen gern zitierter Spruch zur Qualifikation: «Gelehrter
als der Kaufmann, kaufmännischer als der Gelehrte.» Infos im
Internet unter: »Verband
deutscher Antiquare und bei der Bundesagentur für
Arbeit: »Buchhändler/in
- Antiquariat
Von Horst Heinz Grimm, 1.11.2004
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*TIPP*
Dorothée Werner:
Buchhändler - Na Klar!

Ein Blick auf die Branche
Bernhard Wendt:
Der Antiquariatsbuchhandel

Eine Fachkunde für junge Antiquare
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