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Autodesigner - Modemacher für Blechkleider

Mlada Boleslav (dpa/gms) - Wer Spuren im Stadtbild hinterlassen möchte, sollte vielleicht nicht Architekt, sondern Autodesigner werden: Überall drängeln sich Autos ins Blickfeld. In Zeiten, in denen sich bei Technik und Qualität keine weltbewegenden Unterschiede mehr feststellen lassen, sind Image und Design einer Automarke die wichtigsten Verkaufsargumente. Das bürdet dem Autodesigner eine hohe Verantwortung auf. Ein gewagtes Design kann an Stammtischen und in Fachzeitschriften wahre Erdbeben auslösen. Das erfährt derzeit zum Beispiel der BMW-Chefdesigner Chris Bangle, der sich in Artikeln und Leserbriefen wegen der skurrilen Gestalt des neuen Siebeners wiederholt jegliches Talent absprechen lassen musste.
Die Arbeitsbedingungen seines Berufskollegen Thomas Ingenlath sind da im Augenblick etwas komfortabler. Der oberste Designer der Volkswagen-Tochter Skoda feilt in Mlada Boleslav nordöstlich von Prag am Auftritt der Mittelklasse-Baureihe Octavia, deren nächste Generation für 2003 angekündigt ist. «Wer spektakuläre Dinge von dem Modell erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein», so Ingenlath. «Für einen Designer ist es aber viel schwieriger, eine bewährte Formensprache weiterzuentwickeln als etwas ganz Neues zu entwerfen.»
Ingenlath ist 1999 nach Stationen bei Audi und Volkswagen mit erst 35 Jahren an die Spitze der Skoda-Designabteilung gelangt. Seine Ausbildung hat der gebürtige Krefelder unter anderem an der Fachhochschule (FH) in Pforzheim absolviert, der deutschen Kaderschmiede des Berufsstandes. Während die Gestaltung von Autos im Rahmen des Industriedesign-Studiums meist nur gestreift wird, gibt es in Pforzheim einen eigenen Studienschwerpunkt mit Namen «Transportation Design». Entsprechend dieser Alleinstellung sind die wenigen Studienplätze äußerst begehrt. «Pro Semester können im Schnitt acht Studenten bei uns anfangen», sagt Susanne Heuer vom FH-Fachbereich. «Bewerbungen bekommen wir aber 40 bis 50.»
Bewerber sollten vor allem gut und auch räumlich zeichnen können. Überhaupt spielen künstlerische Fertigkeiten in dem achtsemestrigen Studiengang eine wichtige Rolle. Zwar leisten Grafikprogramme beim Entwurf des Blechkleids inzwischen wertvolle Dienste. Doch die erste Skizzen bringen Designer gern noch konventionell mit Hilfe von Blei- und Buntstiften zu Papier.
Außer bei der Gestaltung von so genannten Showcars, die in dieser Form nie auf die Straße kommen, bewegen sich Autodesigner in einem engen Rahmen aus technischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Das gilt gerade für eine Marke wie Skoda, die ihre Kunden eher mit einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis als mit stilistischen Extravaganzen überzeugen will. Hinzu kommt das von den Automobilkonzernen gepflegte Plattform-Prinzip, das etwa einen Octavia auf die gleiche Basis zwingt wie den VW Golf. Aus diesen Vorgaben dennoch individuelles Design zu entwickeln, betrachtet Thomas Ingenlath als Herausforderung.
Als dem verantwortlichen Designer obliegt Ingenlath auch die Entscheidung über die Gestaltung des Innenraums sowie die Auswahl der Materialien und Lackfarben. Bei jedem dieser Themen arbeiten ihm Spezialisten zu. Insgesamt beschäftigt Skoda in Mlada Boleslav 25 Designer, bei Volkswagen in Wolfsburg sind es rund 220. Auch die Zulieferindustrie hat das Knowhow der Autodesigner nötig, vor allem die auf optische Veredelung spezialisierten Tuningfirmen. Kamei in Wiesbaden etwa arbeitet mit einem freiberuflichen Designer zusammen, der etwa Kühlergrills zum Nachrüsten entwirft.
Karmann in Osnabrück kommt derzeit auf fünf fest angestellte Designer. Da sich das Unternehmen, das etwa für Mercedes die Modelle CLK Coupé und Cabriolet fertigt, auch als Zulieferer in Designfragen profilieren möchte, gibt es für die Mitarbeiter genug zu tun. Thomas Oberhoff, der bei den Osnabrückern als Autodesigner arbeitet, hat dabei nicht den Weg über die FH in Pforzheim gewählt, sondern in Hannover Industriedesign studiert und frühzeitig den Kontakt zu Karmann gesucht. Für Absolventen ohne die Weihen der Eliteschule sind Praktika und Diplomarbeiten ein probates Mittel, zumindest in der Zulieferindustrie den Fuß in die Tür zu bekommen.
Die Berufsaussichten für Autodesigner sind wie ihre Verdienstmöglichkeiten gut: «Es geht ihnen auf jeden Fall besser als den Modedesignern», so Susanne Heuer von der FH Pforzheim. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt beziffert sie auf monatlich rund 2800 Euro (5475 Mark) brutto. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Dafür muss auch ein Chefdesigner damit leben, dass seine Bekanntheit in keinem Verhältnis zur Verbreitung seiner Werke steht. So prägt zwar kein Auto das Straßenbild so sehr wie der VW Golf aus den achtziger und neunziger Jahren. Doch seinen Schöpfer Hartmut Warkuß kennt kaum jemand.
Informationen: Fachhochschule Pforzheim, Hochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft, Tiefenbronner Straße 65, 75175 Pforzheim (Tel.: 07231/28 5, Fax: 07231/28 66 66).
Informationen im
Internet: Bundesagentur für Arbeit: »Dipl.-Designer/in (FH/Uni) - Industrie-/Industrial-Design
Von Tobias Wiethoff

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