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Farbe bis Waschmittel: Chemikanten sind an vielen Produkten beteiligt

Köln/Wiesbaden (dpa/gms) - Farben, Kosmetika oder Waschmittel - Chemikanten sind an der Herstellung unzähliger Produkte beteiligt. Denn sie fertigen chemische Erzeugnisse aus Rohstoffen und bedienen die hierfür erforderlichen, computergestützten Maschinen und Anlagen. «Der Chemikant ist der Facharbeiter in der chemischen Industrie schlechthin», sagt Hans-Günter Glass, Geschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie in Wiesbaden. «Überall, wo Stoffe umgewandelt oder als Endprodukt verarbeitet werden, da sind Chemikanten am Werk.»
Chemikanten arbeiten nicht nur bei Chemieunternehmen, sondern auch in der Ernährungs- und der Mineralölindustrie. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn überwachen, steuern und dokumentieren Chemikanten Produktionsabläufe und Verarbeitungsprozesse. Sie wiegen beispielsweise Rohstoffe ab, füllen sie in große Behälter, nehmen Messungen vor, ziehen Proben und analysieren diese selbst. «Auch leichte Störungen an den Anlagen sollte ein Chemikant selbst beheben oder den Fehler erkennen können», sagt Glass. Alles müsse reibungslos klappen, erklärt er. Deshalb sei Kontrolle so wichtig: Stimmt die eingestellte Temperatur? Zu welchem Zeitpunkt ist der nächste Rohstoff beizufügen? Chemikanten müssen alle Abläufe überblicken, um notfalls in den laufenden Produktionsprozess einzugreifen und die Einstellungen von Maschinen zu ändern. Das ist ein sehr verantwortungsvoller Job», sagt Michael Assenmacher, Teamleiter der industriellen Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer Köln. «Denn es geht für die Unternehmen oft um viel Geld.» Ein falscher Knopfdruck an den teuren, komplexen Produktionsanlagen könne schwere Folgen haben, Vorgaben seien deshalb genau zu beachten. Damit für Auszubildende nichts schief gehen kann, trainieren Anfänger in großen Unternehmen ihre Einsätze an Übungsanlagen.
Es ist zudem eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit», erklärt Assenmacher. Denn die Arbeit eines Chemikanten sei von sehr unterschiedlichen Situationen geprägt: «Manchmal muss man stundenlang sehr konzentriert vor einem Mischer sitzen und im richtigen Moment handeln», erzählt er. Genauso sei es aber möglich, bei Wind und Wetter im Freien Anlagen kontrollieren zu müssen. «Das kann auch mit Schmutz verbunden sein.» Beim Abmessen von Chemikalien oder beim Säubern von Anlagen können Chemikanten in Kontakt mit nicht immer unbedenklichen Stoffen kommen: Zur eigenen Sicherheit müssen sie deswegen in der Regel spezielle Kleidung wie Schutzbrillen, Helme, Handschuhe und Sicherheitsschuhe tragen. Wer Chemikant werden will, muss sich darauf einstellen, im Schichtdienst, auch nachts oder am Wochenende, arbeiten zu müssen. Offiziell gibt es keine Zugangsvoraussetzungen für den Beruf. Doch in der Praxis werden überwiegend Auszubildende mit Realschulabschluss eingestellt. Wer sich für eine solche Lehre interessiert, muss Spaß an Technik und Naturwissenschaft haben. «Er sollte nicht nur in Chemie gut sein, sondern auch in Mathematik und Physik», rät Assenmacher. Noch lockt der Beruf nur wenige Frauen an: Von derzeit rund 6000 Auszubildenden sind nur 750 weiblich. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Sie kann bei guten Leistungen verkürzt werden. Die Vergütung, die mit jedem Ausbildungsjahr steigt, schwankt abhängig vom Bundesland: Im ersten Jahr ist sie mit 643 Euro pro Jahr pro Monat in Baden-Württemberg am höchsten, am niedrigsten in den neuen Bundesländern mit 575 Euro monatlich. Nach der Lehre liegt der Verdienst als Facharbeiter bei rund 2000 Euro. Nach dem Abschluss gibt es gute Möglichkeiten zur Weiterbildung, etwa zum Chemietechniker oder zum Industriemeister Chemie. Wie viele Chemikanten gesucht werden, hängt in Deutschland stark von der jeweiligen Region ab. Glass aber ist überzeugt: «Insgesamt sind die Zukunftschancen in diesem Beruf recht positiv.»
Bundesagentur für Arbeit: »Chemikant/in

Von Stephanie Lettgen, 31.7.2005

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