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Chirurgiemechaniker/in - Eine Ausbildung mit Zukunft

Tuttlingen/München (dpa/gms) - Einst genügten dem Chirurgen einfache Werkzeuge wie Skalpelle und Zangen. Diese wurden von Klingenschmieden hergestellt. Mit dem Fortschritt der Medizin kommen heute Präzisionsinstrumente zum Einsatz, die unter den Händen von Chirurgiemechanikern entstehen. Es ist ein anspruchsvoller Beruf, wie schon die Ausbildungszeit von dreieinhalb Jahren zeigt. «Die rasante Entwicklung besonders in der Elektronik erfordert eine fortlaufende Spezialisierung», sagt Rudolf Lehner von der Handwerkskammer München. Der Beruf verlangt neben fachlichem Können auch besonderes Verantwortungsbewusstsein. Mit diesen Instrumenten führen die Ärzte schwierigste Operationen durch. Ein fehlerhaftes Produkt kann schwerstwiegende Folgen haben. Die Bedeutung der Elektronik erläutert Lehner so: «Klammern müssen heute schon auf Gewebedruck reagieren, um bei bestimmten Eingriffen optimale Leistung zu zeigen.» Chirurgiemechaniker fertigen außerdem Implantate wie künstliche Hüftgelenke oder Herzklappen.
Wer die Ausbildung anstrebt, braucht keine medizinischen Kenntnisse, dafür aber einen sehr guten Schulabschluss, vorzugsweise die Mittlere Reife. «Und eine Kernbereitschaft zu konsequentem Lernen», hebt Jörg Holweg hervor. Er ist Lehrlingswart der Innung in Tuttlingen und zugleich Inhaber eines Betriebes, der sich auf chirurgische Pinzetten spezialisiert hat. «Nicht nur in der Ausbildung ist dies erforderlich, sondern auch im Beruf, um mit der Entwicklung mithalten zu können.»
Die Neigung zu ausdauernder handwerklicher Präzisionsarbeit muss vorhanden sein, ehe man sich für diesen Beruf entscheidet. Dazu kommen gutes räumliches Vorstellungsvermögen zum Lesen von Konstruktionsplänen und eine gute Auge-Hand-Koordination beim Zusammensetzen der Werkstücke. «Einmal einen Tag über dem Mikroskop sitzen und feinste Arbeit verrichten gehört zum Beruf», sagt Holweg. Schon bei der Planung der Lehre sollten junge Leute neben den Inhalten und Anforderungen auf mögliche Weiterbeschäftigung achten, rät Lehner. «Die strukturelle Situation bestimmt den Arbeitsmarkt.» Zentrum dieser Branche und Sitz der bedeutenden, weit über die Grenzen Deutschland renommierten Betriebe ist der Raum Tuttlingen.
Diese Stadt am südwestlichsten Eckpunkt der Schwäbischen Alb am Donaudurchbruch nennt sich angesichts ihrer langen Tradition in der Herstellung medizinischer Instrumente auch «Weltzentrum der Medizintechnik». Hier arbeiteten schon um das Jahr 1850 «chirurgische Instrumentenmacher». Heute ist ein Betrieb weltbekannt für seine hoch entwickelten Endoskope, jene Instrumente, die den Medizinern den Blick in den Körper ermöglichen.
Die Ausbildung für den Beruf erfolgt im so genannten dualen System - in Betrieben und in einer Schule. Die einzige derartige Berufsschule in Deutschland befindet sich in Tuttlingen. «Hier müssen auch alle Prüfungen abgelegt werden», erklärt Kurt Scherfer, der Geschäftsführer der zentralen Innung Chirurgiemechanik. Sie hat bundesweit 171 Mitglieder, davon etwa 150 in der Region. «Zusätzlich zum regelmäßigen Besuch wie bei allen Berufsschulen bieten wir auch einen Blockunterricht für auswärtige Schüler an», sagt Hartwig Hils, der stellvertretende Leiter der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule. «Vier Mal jährlich sind das drei Wochen in einem Stück. Die Schüler werden in einem Heim untergebracht.» Derzeit sind es 225 Auszubildende in vier den Lehrjahren entsprechenden Klassen. Der Frauenanteil beträgt etwa zehn Prozent. Das Bearbeiten von Metallen, der Umgang mit Maschinen, Werkstoffkunde, Lesen technischer Unterlagen, Elektronik und Optik sind nur einige Punkte, die auf dem umfangreichen Lehrplan stehen. Beim Montieren der einzelnen Bauteile verbessern die Auszubildenden ihre Fingerfertigkeit und ihr handwerkliches Geschick. Sie lernen natürlich auch, wofür die von ihnen hergestellten Instrumente später in der Medizin eingesetzt werden. Am Ende des zweites Ausbildungsjahres findet die Zwischenprüfung statt. Nach 42 Monaten Lehrzeit folgt die Gesellenprüfung Scherfer und Hils beurteilen die Berufsaussichten als «sehr gut».
«Unlängst hat sich ein Lehrling aus Berlin in der Region beworben und bekam sieben Angebote», nennt der Schulleiter als Beispiel. Die Vergütung während der Ausbildungszeit liegt tariflich zwischen 699 Euro im ersten Jahr und am Schluss 864 Euro. Viele Betriebe aber zahlen mehr. «Nach der Gesellenprüfung kann mit mindestens 1855 Euro gerechnet werden», sagt Scherfer.
Bundesagentur für Arbeit: »Chirurgiemechaniker/in

Von Horst Heinz Grimm, 18.4.2005

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