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Cutter/in - Die Dramaturgen der bewegten Bilder
München/Hamburg (dpa/gms) - Hinter
einer Minute Film oder Fernsehen steckt eine Stunde Arbeit. So lautet
eine Faustregel aus der Branche der bewegten Bilder. Cutter kennen diese
Regel gut. In akribischer Kleinarbeit sorgen sie dafür, dass am Schnittplatz
aus Rohmaterial ein fertiger Film wird. «Cutter sind dafür zuständig,
Bilder und Geräusche je nach Filmgenre in eine bestimmte Form zu schneiden»,
erklärt Mirjam Schwerk, Vorstandsmitglied im Bundesverband Filmschnitt
Cutter (BFS) in München.
Cutter wirken zum Beispiel an aktuellen Berichten im Fernsehjournalismus
mit. Sie arbeiten an Dokumentationen, Fernsehserien, Spielfilmen, Industriefilmen
oder Werbeproduktionen. Ein Auge für die Dramaturgie, Ästhetik und den
Rhythmus eines Films sind dafür die Voraussetzungen.
Aber der Beruf hat sich in den letzten Jahren auch stark verändert:
«Früher wurde analog an einem Schneidetisch geschnitten. Heute wird
fast überall digital am Computer gearbeitet», sagt Schwerk. Eine gute
Grundlage für eine spätere Tätigkeit als Cutter sei eine Ausbildung
zum Film- und Videoeditor. Auszubildende verdienen hier im ersten
Lehrjahr rund 480 Euro, im zweiten und dritten je rund 80 Euro mehr.
Eine Alternative ist eine Lehre zum Mediengestalter für Bild und
Ton. Beide Ausbildungen werden beispielsweise von Rundfunkanstalten
und Produktionsfirmen angeboten. Eine Spezialisierung auf den Schnitt
erfolge dann in den ersten Berufsjahren, so Mirjam Schwerk.
Ein anderer Weg, sich zum Cutter ausbilden zu lassen, ist der Studiengang
Schnitt an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in
Potsdam-Babelsberg. Auch die Internationale Film Schule (IFS) in Köln
bietet einen fünfmonatigen Weiterbildungskurs für Filmmontage
an. Bei der Ausbildungsgemeinschaft für Medienberufe (AGM) ist eine
Ausbildung zur Fachkraft für Film- und elektronischen Schnitt
möglich. Die AGM ist ein Zusammenschluss von öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten und Film- und Fernsehproduktionsfirmen. Voraussetzung
für das Volontariat bei der AGM sind ein mittlerer Bildungsabschluss
und mehrere Praktika als Schnittassistenz.
In der zweieinhalbjährigen Ausbildung werden die Teilnehmer mit dem
Ablauf einer Filmproduktion vertraut gemacht. Sie lernen, professionell
die Wirkung von Szenen zu beurteilen, Filmmaterial zu bearbeiten, eine
Dramaturgie zu entwerfen und Effekte einzusetzen. Dabei durchlaufen
die Volontäre mehrere Stationen in der AGM angeschlossenen Unternehmen.
Julia Dickopp aus München zum Beispiel hat im April ihr Volontariat
beendet. Beim Sender Freies Berlin (SFB) etwa befasste sie sich beim
Schneiden von Nachrichtenfilmen mit dem heute in den Studios üblichen
digitalen Schnitt. Aber auch den klassischen Filmschnitt, bei dem Zelluloid
geschnitten und zusammengeklebt wird, hat sie noch gelernt. «Das ist
noch richtige Handarbeit», sagt Dickopp. Zudem assistierte die 27-Jährige
im Synchronstudio von Studio Hamburg bei Fernsehspielen und Spielfilmen.
Dickopp gefällt am Cutterberuf, dass sie gestalterisch arbeitet: «Das
Basteln macht mir Spaß.»
Nach der Ausbildung will Dickopp als freie Cutterin für Produktionsfirmen
und Rundfunkanstalten arbeiten. Freiberufliche Cutter verdienen in der
Regel mehr als ihre fest angestellten Kollegen: Bei der AGM erhalten
Cutteraspiranten während des Volontariats rund 640 Euro im Monat. Berufseinsteiger
bekommen bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einen Monatslohn
von etwa 1800 Euro. Auf dem freien Markt kann ein erfahrener Cutter
später rund 1100 Euro pro Woche verlangen, so Mirjam Schwerk. Für große
Spielfilmproduktionen werde noch mehr gezahlt.
Bis dahin ist es Andreas Wilken-Keeve zufolge aber ein weiter Weg. Der
28-Jährige, der in Hamburg für das NDR-Fernsehen und die Produktionsfirma
Dieter Milster arbeitet, warnt vor falschen Vorstellungen: Berufseinsteiger
müssten mit weit geringeren Gagen rechnen. Am Anfang stünden oft mehrere
Jahre als Schnittassistenz. Zu Spielfilmproduktionen schafften es nur
wenige.
«Der Berufseinstieg ist schwer», sagt auch Mirjam Schwerk. «Man muss
sehr hartnäckig sein und sich um viele Kontakte bemühen.» Schon die
Ausbildungsplätze seien begehrt. Bei der AGM und den Hochschulen werden
hohe Anforderungen an Bewerber gestellt. Noch dazu kommen viele Bewerber
auf wenige Stellen:. Die AGM erhalte für die acht Ausbildungsplätze
jedes Mal zwischen 300 und 400 Bewerbungen, sagt Geschäftsführer Gerald
Mechnich. Informationen: Bundesverband Filmschnitt Cutter (BFS), Neureutherstraße
19, 80799 München (Tel./Fax: 089/33 65 73, Internet:
»Bundesverband
Filmschnitt-Editor.eV.).
Bundesagentur für Arbeit: »Cutter/in,
»Film-
und Videoeditor/in
Von Thorsten Wiese, 17.04.06
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*TIPP*
Hans Beller:
Handbuch der Filmmontage

Praxis und Prinzipien des Filmschnitts
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