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Edelsteinschleifer - Diskretion und
Fingerspitzengefühl
Idar-Oberstein (dpa/gms) - Recht unansehnlich sehen Edelsteine in
ihrem Rohzustand aus, ehe Spezialisten ihnen das faszinierende
Aussehen geben. Smaragde, Rubine, Aquamarine oder Turmaline werden
unter ihren Händen zu begehrten Schmucksteinen.
Den traditionellen Beruf des Edelsteinschleifers gibt es in
Deutschland auch heute noch. Offizielle Statistiken über die Zahl
der Beschäftigten gibt es nicht. "Es ist auch eine Branche, die sich
ungern in die Karten sehen lässt", sagt Jörg Lindemann,
Geschäftsführer des Bundesverbandes der Edelstein- und
Diamantenindustrie in Idar-Oberstein.
Diese Diskretion verwundert nicht, denn es geht um Millionenwerte.
Top-Qualitäten an Edelsteinen sind auf dem internationalen Markt
sehr gefragt. Auch wenn es in Deutschland keine nennenswerten
Vorkommen gibt, steht es auf der Lieferliste ganz oben. Die Stadt
Idar-Oberstein im Hunsrück gilt als das bedeutendste
Edelsteinzentrum Europas.
In den etwa 450 Betrieben arbeiten zwischen 2000 und 2500 Menschen.
Die Bezeichnung "Idar-Oberstein-Schliff" (Idar-Oberstein-cut) gilt
weltweit als Siegel für höchste Qualität. Lindemann bewertet die
Chancen für Nachwuchskräfte in diesem Beruf als bestens: "Gute Leute
werden immer gesucht." Als Voraussetzungen für eine Ausbildung nennt
er neben einem guten Schulabschluss handwerkliches Geschick,
Fingerfertigkeit, Formgefühl, Vorstellungsvermögen sowie
Grundkenntnisse in Mathematik und Physik.
Thomas Wild, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in
Idar-Oberstein, weist auf einen besonderen Aspekt hin: "Man muss mit
echtem Interesse an diesen Beruf herangehen und nicht nur irgendeine
Ausbildung suchen. Denn jeder Stein ist anders." Die Branche sieht
sich ihren Nachwuchs genau an, um die anerkannte Qualität der
Schliffe garantieren zu können. "Die Massenproduktion im unteren
Preissegment hat sich längst nach Asien verlagert", erklärt
Lindemann. "Wir können da preislich nicht mithalten. Und außerdem
brauchen wir Top-Leute."
"Die Ausbildung zum Edelsteinschleifer dauert drei Jahre", sagt Jörg
Diester von der zuständigen Handwerkskammer in Koblenz. Im
Kammerbereich zählt er derzeit zwei Lehrlinge. Auch bundesweit ist
die Zahl gering. "Insgesamt neun Auszubildende" zählt Birgit Arndt
von der Berufsberatung der Berliner Handwerksbetriebe. Die
Ausbildung in diesem anspruchsvollen Beruf konzentriert sich auf
Betriebe in Idar-Oberstein.
Die Aufstiegschancen beurteilt Thomas Wild als sehr gut, wenn jemand
nicht seine weitere Tätigkeit ausschließlich am Schleifstein ausüben
will. "Die Branche ist klein, aber international."
Edelsteinschleifer mit entsprechender Erfahrung werden auch zu
Messen geschickt oder sehen sich in den Fördergebieten für
Edelsteine in Asien, Südamerika und Australien um.
Das setzt Sprachkenntnisse voraus: "Als Einkäufer für Rohmaterial,
um die Schleifwürdigkeit und die Qualität eines Steines entsprechend
zu beurteilen." Solch ein Fachmann erkennt schnell, dass es sich bei
einem "Mexikanischen Diamanten" um Bergkristall handelt. Denn
minderwertige Steine werden meist durch besondere Namen geadelt.
Während der Lehrzeit erfährt der angehende Edelsteinschleifer, dass
auch die Qualität des Schliffs den Wert des Steines bestimmt und die
Arbeit höchste Präzision erfordert. Es gibt verschiedene Formen für
die Edelsteine als Schmuckstücke. Um diese zu erreichen, müssen sie
entsprechend bearbeitet werden - beispielsweise im Brillant-,
Scheren-, Treppen- oder Tafelschliff.
Auch das Gravieren und das Fertigen von Gemmen - vertieft oder
erhaben geschnittene Figuren aus Edelsteinen - übernehmen
Edelsteinschleifer. Für Diamantenschleifer gibt es eine eigene
Schulung - diese Steine verlangen wegen ihrer Härte andere Techniken
und hohe Sachkenntnis.
In Theorie und Praxis erfährt der Auszubildende das Prüfen von
Edelsteinen, Anfertigen von Schnittentwürfen, Schleifen, Polieren
und Bohren sowie Gravieren von Steinen sowie den Umgang mit
modernster Technik. Dazu zählen auch optische Geräte zur Kontrolle
des exakten Schliffs. Die Lehrzeit endet mit der Gesellenprüfung,
danach steht der Weg zum Meister offen. Weitere Qualifizierungen in
einer Fachschule und einer Fachhochschule in Idar-Oberstein sind
möglich und empfehlenswert: In der Stadt lassen sich auch Kontakte
zu Schleifbetrieben und Händlern knüpfen.
Während der Ausbildungszeit beträgt die Vergütung monatlich
mindestens 650 Euro im ersten Jahr und steigt dann auf mindestens
750 Euro. Die Anfangslöhne liegen zwischen 1800 und 2100 Euro. "Gute
Leute verdienen weit über dem Tarif", sagt Lindemann. "Denn der
Beruf verlangt höchste Qualifikationen."
Informationen: Bundesverband der Edelstein- und Diamantindustrie,
Mainzer Straße 34, 55743 Idar-Oberstein (Tel.: 06781/94 42 40).
Informationen im Internet: Unter »Bundesverband
der Edelstein- und Diamantindustrie e. V. und
Fachschule für Edelstein- und Schmuckgestaltung Idar-Oberstein
Ausbildung und Tätigkeit im Überblick
bei der Bundesagentur für Arbeit »Edelsteinschleifer/in
Britta Schmeis, 13.6.2005 |
*TIPP*
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