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Erzieherinnen sind mehr als Spiel-
und Bastelkameraden
Dietz/Hilden (dpa/gms) - Die
Klischees halten sich hartnäckig: Kindergärtnerinnen spielen und
basteln den ganzen Tag und bereiten sich in ihrem Job ja doch nur
auf die eigene Mutterrolle vor. Doch weit gefehlt: «Erzieherinnen
arbeiten längst nicht mehr nur noch mit Kindern, sondern fast
genauso viel mit den Eltern, müssen pädagogische Konzepte erarbeiten
und vor allem gut mit Frustration umgehen können», sagt Alfons
Vaitkus, Präsident des Bundesverbands der Erzieherinnen und Erzieher
in Deutschland (BVEED).
Der Begriff «Kindergärtnerin» wurde schon 1966 abgeschafft, seitdem
lautet die Berufsbezeichnung «Erzieherin». «Die Ausbildung ist sehr
lange und intensiv», sagt der Sozialpädagoge Vaitkus. Er bildet an
der Akademie des Instituts für personenzentrierte Supervision und
Organisationsberatung (IPSO) in Diez (Rheinland-Pfalz) Erzieherinnen
aus. In der Regel dauert die Ausbildung fünf Jahre - allerdings
nicht in allen Bundesländern. Da Erzieherinnen an Fachoberschulen
oder Berufsfachschulen ausgebildet werden, hatte bislang jedes Land
eine andere Ausbildungsverordnung. Eine Vereinheitlichung zeichnet
sich ab, weil die Länder nach und nach eine Rahmenvereinbarung der
Kultusministerkonferenz umsetzen.
Wer staatlich anerkannte Erzieherin werden will, muss in vielen
Bundesländern zunächst eine zweijährige Ausbildung zur
Sozialassistentin machen. Voraussetzung dafür ist der
Realschulabschluss. «Danach kann man schon als anerkannte Zweitkraft
in sozialpädagogischen Einrichtungen arbeiten», erklärt Christa
Mithöfer von den Berufsbildenden Schulen des Landkreises Osnabrück
in Melle. Daran schließt sich in Melle eine zweijährige Ausbildung
an der Fachschule Sozialpädagogik zur staatlich anerkannten
Erzieherin an. An der IPSO-Akademie dauert diese Ausbildung sogar
drei Jahre. Wer Abitur hat, kann direkt in der Fachschule
einsteigen.
«Die Ausbildung ist immer noch sehr unübersichtlich», sagt Gerd
Detering vom Fachverband für Beschäftigte in Tageseinrichtungen für
Kinder (FBTK) in Nordrhein-Westfalen. Die Praxis komme aber
nirgendwo zu kurz. Entweder müssen die Schülerinnen ein bis zwei
Tage die Woche in einem Kindergarten, einem Heim oder einer
Freizeiteinrichtung arbeiten, oder sie absolvieren regelmäßig
mehrwöchige Praktika. «Diese enge Verzahnung von Theorie und Praxis
ist eine große Stärke der Ausbildung», sagt Detering. Am besten
werden schon vor der Ausbildung Erfahrungen mit Kindern gesammelt -
nicht nur beim Babysitten. «Es reicht nicht, zu sagen: Ich mochte
schon immer Kinder», sagt Anna Bordeaux, Erzieherin und Betreiberin
des Internetportals www.erzieherin-online.de. Und angehende
Erzieherinnen müssen sich auch auf unangenehme Aufgaben vorbereiten.
Zum Beispiel müssten sie auch mal eine Toilette putzen, weil ein
Kind daneben gepinkelt hat, sagt Bordeaux. Auch die
körperliche Belastung sei nicht zu unterschätzen. «Man verbringt im
Kindergarten eine Menge Zeit auf Ministühlen und in gebückter
Haltung», erklärt Bordeaux. Und Vaitkus sagt: «Der Job ist oft
extrem anstrengend und kann auch mal langweilig sein.»
Vor allem aber erfordert er viel Einfühlungsvermögen und
Selbstbewusstsein. «Man muss ständig seine Fachlichkeit behaupten,
gegenüber den Eltern, dem Kindergartenträger und der
Öffentlichkeit», sagt Detering. Zudem werde der Kindergarten für
alles, was später in der Entwicklung der Kinder passiert,
verantwortlich gemacht. Die Aufstiegsmöglichkeiten als Erzieherin
sind begrenzt und hängen vom eigenen Engagement ab. «Man muss sich
ständig weiterbilden und Zusatzqualifikationen etwa zur
Beratungserzieherin oder Kindergartensupervisorin erwerben», sagt
Vaitkus, so wie Yvonne Pabst. Die 30-Jährige leitet in Hilden
(Nordrhein-Westfalen) einen Kindergarten. Sie hat auf
Wochenendseminaren in einem Jahr die Zusatzqualifikation
«Sozialfachwirtin» erworben, in diesem Jahr steht eine Fortbildung
zur Erziehungsberaterin an. Finanziell zahlt sich das allerdings
nicht besonders aus. «Es ist ein Job, den man aus Idealismus macht»,
sagt Bordeaux. Je nach Alter und Familienstand liegt das
Einstiegsgehalt nach dem Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) bei
etwa 1300 Euro. «Eine Familie kann man davon nicht ernähren, zumal
immer mehr Teilzeitstellen geschaffen werden», sagt Detering. Doch
Bestätigung und Kraft holen sich Erzieherinnen ohnehin von den
Kindern. «Es ist ein sehr dankbarer Job», sagt Pabst - auch wenn man
ab und zu an seine Grenzen stoße und ehrgeizige Eltern das Leben
schwer machen können. «Aber diese drei Jahre im Kindergarten sind so
wichtig im Leben der Kinder, dass es einfach Spaß macht, sie dabei
zu begleiten.»
Informationen im Internet:
Bundesverband der
Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland
Ausbildung und Tätigkeit im Überblick
bei der Bundesagentur für Arbeit »Erzieher/in
Britta Schmeis, 20.3.2006
Auswahl an Büchern/Medien, die im Buchhandel erhältlich sind:
Raimund Pousset:
Handwörterbuch für Erzieherinnen und Erzieher |
*TIPP*
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