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Fachkräfte für Lagerlogistik steuern die weltweiten Warenströme

Hamburg/Berlin (dpa/gms) - Ohne sie wäre der weltweite Handel, bei dem Deutschland eine Spitzenposition einnimmt, nicht möglich: die Fachkräfte für Lagerlogistik. Sie arbeiten entscheidend daran mit, dass die internationalen und nationalen Warenströme im Gesamtwert von Hunderten Milliarden Euro reibungslos fließen und noch stärker werden. «Der Logistikmarkt ist eine Boombranche», sagt Hans-Christian Pohl vom Vorstand der Bundesvereinigung Logistik (BVL) in Bremen.
Von einem «wachsenden Bedarf des Marktes» spricht auch Hella Lüth vom Internationalen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. «Zum Ende vergangenen Jahres bestanden in Deutschland mehr als 12 300 Ausbildungsverhältnisse im Beruf Fachkraft für Lagerlogistik.» Ein Blick auf die Statistik zeigt in den vergangenen fünf Jahren ein stetiges Ansteigen.
Allerdings gibt es derzeit noch keine ausgebildeten Fachkräfte mit dieser neuen Berufsbezeichnung. Sie können frühestens 2007 für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Erst seit August 2004 ist eine neue Verordnung in Kraft, welche die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerwirtschaft ersetzt und den aktuellen Anforderungen entspricht. So wurden unter anderem beispielsweise «fachspezifisches Kommunizieren in einer Fremdsprache» und erweitertes kaufmännisches Wissen in den Lehrplan aufgenommen. Das heißt, dass am Arbeitsplatz zusätzlich zu Deutsch eine weitere Sprache verlangt wird, schließlich treffen heute Waren aus aller Herren Länder in den Lagerhäusern ein.
Arbeitsplätze gibt es überall da, wo Mengen an Gütern aller Art - beispielsweise Maschinen, Gefahrgüter, Nahrungsmittel oder Kosmetik - umgeschlagen werden. Entsprechende Jobs bieten Betriebe in Häfen, Speditionen, Materialdepots der Großunternehmen und mittelständische Firmen sowie Handelshäuser. «Flexibilität, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit», verlangt Jens Heyke, Geschäftsführer eines Schiffsausrüsters in Hamburg, von seinen Mitarbeitern in den Hallen, in denen mehr als 16 000 Artikel lagern. «Die Ware muss exakt zum gewünschten Termin beim Kunden sein - weltweit. Jede überflüssige Liegezeit eines Schiffes kostet Geld.» Selbstständiges ökonomisches Denken ist gefragt. Solche Eigenschaften erwartet auch Wolfgang Götz von seinen etwa 60 Mitarbeitern. Ihm untersteht am Firmensitz in der Nähe von Ulm das Lager eines der weltweit größten Hersteller von Schalungen und Gerüsten. «Bei uns werden jeden Tag 600 Tonnen umgeschlagen und zum Teil bis nach Asien geliefert», sagt er. Ausgebildete Facharbeiter finden sich bei Götz schnell in der mittleren Führungsebene wieder. «So ein Mann hat die Arbeit der Verladehelfer verantwortlich zu steuern. Dazu muss dieser sich im Lager genau auskennen und den jeweiligen Warenbestand per EDV überblicken.» Und der Lagerchef weist ergänzend darauf hin: «Eine weitere Voraussetzung ist übrigens der Führerschein für Gabelstapler.»
Die Ausbildung in diesem vielseitigen Beruf dauert drei Jahre und findet in Betrieben und in Berufsschulen statt. «Für eine Lehrstelle sollte der Bewerber mindestens einen qualifizierten Hauptschulabschluss nachweisen können», so das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Zwischenprüfung bei der zuständigen Kammer, und das ist neu, findet schon nach dem ersten und nicht mehr erst nach dem zweiten Jahr statt.
Die gestaffelte Ausbildungsvergütung liegt zwischen knapp 650 und 750 Euro in den alten Bundesländern und zwischen etwa 570 und 680 Euro im Osten Deutschlands. Beim Berufseinstieg kann man mit etwa 1300 Euro monatlich rechnen. Die Aussichten für eine Karriere sind gut, wenn die Fachkraft sich in Lehrgängen ständig weiterbildet und auf dem neuesten Stand der Lagerwirtschaft ist. Auch die Meisterprüfung ist möglich.
Egal welche Güter ins Lager kommen und es wieder verlassen, die Arbeitsanforderungen an Lagerlogistiker sind nahezu gleich. Dazu gehört auch das Bereitstellen einer Ware für den Transport zum Kunden. «Wichtig dabei ist beispielsweise auch die Auswahl der Verpackung durch die Fachkraft», erläutert Götz. «Für ein kleines Teil darf eine Kiste nicht zu groß sein, das treibt die Transportkosten unnötig in die Höhe.» So gehören zur Ausbildung das Ermitteln der Kosten für Verpackung und Transport.
Moderne Technik hat längst auch in den Lagern Einzug gehalten, viele Arbeitsvorgänge laufen automatisch. Dennoch verlangt der Beruf eine gewisse körperliche Robustheit. «Schwere Säcke muss in der Regel aber heute keiner mehr schleppen», sagt Lüth. So sind unter den auszubildenden Fachkräften für Lagerlogistik inzwischen auch Frauen anzutreffen. «Ihr Anteil liegt bei fast elf Prozent.»
Informationen im
Internet: Bundesagentur für Arbeit: »Fachkraft für Lagerlogistik
Von  Horst Heinz Grimm, 25.7.2005

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