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Feinwerkmechaniker: Präzises Arbeiten im Hintergrund

Essen/Bonn (dpa/gms) - Die Ansprüche sind hoch: Feinwerkmechaniker arbeiten mit höchster Präzision, haben in der Ausbildung ein breites Spektrum an Fertigkeiten erworben und müssen ihre Kenntnisse ständig dem neuesten Stand der Technik anpassen. Die Aufgaben und Tätigkeiten sind vielfältig. Dazu gehört das Fertigen und Montieren von Bauteilen für Maschinen und feinmechanische Präzisionsgeräte. Außerdem stellen Feinwerkmechaniker Stanzwerkzeugen oder Stahlformen her und planen Arbeitsabläufe und den Umgang mit unterschiedlichen Messwerkzeugen.
Ein Grund für diese Vielfältigkeit ist, dass der Ausbildungsberuf in seiner heutigen Form aus einer Kombination mehrerer anderer Berufe entstanden ist. «2002 wurden der Maschinenbauer, der Werkzeugmacher, der Feinmechaniker sowie der Dreher zum Feinwerkmechaniker zusammengelegt», sagt Alfred Sieberg, Betreuer der Fachgruppe Feinwerkmechaniker beim Bundesverband Metall (BVM) in Essen. Mehr als 80 Prozent der Ausbildungsinhalte seien deckungsgleich gewesen, die Grenzen zwischen den Berufen fließender und die Übergänge breiter geworden, nennt Sieberg den wichtigsten Anlass für die Neuregelung.
Obwohl der Feinwerkmechaniker damit ein junger Ausbildungsberuf ist, reichen seine Ursprünge bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. In der Geschichte des Berufes, die das Bonner Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) verfolgt hat, gehören zu den Vorläufern des Feinwerkmechanikers der Mechaniker, der Maschinenbauer oder der Feilenhauer. Letzterer etwa wurde laut BIBB erstmals 1934 als Gewerbe aufgeführt und 1953 dem Werkzeugmacher, einem weiteren Ahnen des Feinwerkmechanikers, zugeordnet.
Der Feinwerkmechaniker wird als Ausbildung im Handwerk mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Feinmechanik und Werkzeugbau angeboten. Die Spezialisierung auf einen der drei Schwerpunkte während der dreieinhalbjährigen Ausbildung zum Gesellen sei kein Hindernis bei der Wahl des späteren Arbeitgebers, meint Alfred Sieberg vom BVM. «Ich muss mir nicht einen speziellen Betrieb nach meiner Ausrichtung suchen», sagt er, «ich muss mich vielleicht in eine neue Maschine einarbeiten oder eventuell einen Fortbildungskurs absolvieren.»
Wer eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker anstrebt, der sollte auf jeden Fall handwerkliche Präzisionsarbeit und den Umgang mit hoch entwickelten technischen Geräten schätzen, empfiehlt die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Durchschnittliche Auffassungs- und Bearbeitungsgeschwindigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen sowie gutes technisches Verständnis gehörten zu den Fähigkeiten, die der Lehrling mitbringen sollte. Die Kenntnisse in Mathematik und Physik sollten mindestens durchschnittlich gut sein. «Ein guter Hauptschul- oder Realschulabschluss ist empfehlenswert», sagt Sieberg. Eine Besonderheit in der Ausbildung zum Feinwerkmechaniker ist die «gestreckte Abschlussprüfung»: Die Lehrlinge müssen vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres eine Zwischenprüfung absolvieren, die als erster Teil der Gesellenprüfung gilt und 30 Prozent des Gesamtergebnisses ausmacht. Nach der neuen Handwerksordnung, die seit diesem Jahr gilt, können sich Feinwerkmechaniker nach erfolgreich abgelegter Meisterprüfung oder sechsjähriger Gesellenzeit - davon vier Jahre in leitender Stellung - im zulassungspflichtigen Feinmechanikerhandwerk selbstständig machen.
Der Verdienst in der Ausbildung zum Feinwerkmechaniker schwankt von Bundesland zu Bundesland. Im Jahr 2003 betrug dem BIBB zufolge die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung pro Monat in den alten Bundesländern zwischen 448 Euro im ersten Ausbildungsjahr und 606 Euro im vierten Ausbildungsjahr. In Ostdeutschland habe die Spanne bei 323 Euro bis 454 Euro gelegen.
Die Perspektiven für Feinwerkmechaniker auf dem Arbeitsmarkt schätzt BVM-Experte Sieberg hoch ein: «Mit einem guten Abschluss dürfte es keine Schwierigkeiten geben, eine passende Stelle zu finden, egal ob in Handwerk oder Industrie», sagt er. Bislang sei der Feinwerkmechaniker bedauerlicherweise ein typisch männlicher Beruf. Dabei werde nur in seltenen Fällen körperlich schwer gearbeitet.
«Es ist ein Beruf, der schwer zu vermitteln ist, weil er nicht stark in der Öffentlichkeit steht», meint Sieberg. Wer zum Beispiel Maschinen herstellt, die wiederum Deckel für Zahnpastatuben produzierten, arbeite mehr im Hintergrund als ein Automechaniker: «Es gibt keine tägliche Außenwerbung.»
Informationen im
Internet: Bundesagentur für Arbeit: »Feinwerkmechaniker/in
Von Kai Portmann, vom 27.9.2004

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