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Für den Fischwirt ist Angeln nur ein
Hobby
Berlin/Starnberg (dpa/gms) - Fisch gehört seit jeher zu
den Grundnahrungsmitteln der Menschen. Die Deutschen verbrauchen
derzeit rund 1,2 Millionen Tonnen im Jahr, von denen der
überwiegende Teil aus Importen stammt. Doch auch die deutschen
Gewässer liefern Fische für die Tische - beispielsweise die zu
Weihnachten traditionell beliebten Karpfen, außerdem Aale, Forellen
und andere Schuppentiere. Für die reibungslose Versorgung mit diesem
wichtigen Nahrungsmittel sind neben anderen Profis auch Fischwirte
verantwortlich. «Fischwirt ist ein hoch professioneller Beruf, die
Ausbildung und die Anforderungen werden oft unterschätzt. Mit Angeln
hat er nichts zu tun», erklärt Martin Lambers, Bildungsreferent des
Verbandes der Landwirtschaftskammern in Berlin. Unter der
Bezeichnung Fischwirt sind drei Berufsgebiete mit höchst
unterschiedlichen Tätigkeiten zusammengefasst. Zur Auswahl stehen
die Schwerpunkte Fischhaltung und Fischzucht, Seen- und
Flussfischerei sowie Kleine Hochsee- und Küstenfischerei.
Drei Jahre dauert die Ausbildung, die mit der Gesellenprüfung endet.
Neben der Praxis im Betrieb findet die berufskundliche Ausbildung
meist im Blockunterricht an Fischereischulen in Albaum, Rendsburg,
Königswartha und Starnberg sowie an den Berufsschulen in Eckernförde
und Hannover statt. Der Berufsnachwuchs lernt zum Beispiel Details
über Fische, Krebstiere und Muscheln, Fanggebiete, Schonzeiten und
den Schutz der Umwelt. Die Vergütung beträgt nach regionalen Tarifen
zwischen etwa 450 Euro im ersten und etwa 600 Euro im dritten
Lehrjahr. Dazu können Zulagen kommen. Die Verdienstmöglichkeiten
nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung richten sich nach dem
jeweiligen Arbeitseinsatz.
So unterschiedlich wie die Berufsrichtungen sind auch die
Anforderungen. Abgeschlossene Schulbildung (Hauptschule oder
Realschule) ist erwünscht, doch haben junge Leute ohne Topzeugnis,
aber mit entsprechender persönlicher Eignung Chancen auf eine
Lehrstelle. «Schulnoten sind nicht immer aussagekräftig», meint Lambers. Es komme auf die persönliche Ausbildungsreife und
Bereitschaft zum Lernen und Arbeiten an. Derzeit werden insgesamt
etwas mehr als 300 angehende Fischwirte ausgebildet. Nur 9 von ihnen
sind Frauen. Ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz sind gut. «Fähige
Leute werden gesucht», beschreibt Lambers den Arbeitsmarkt. Die
beruflichen Aussichten steigen mit der Bereitschaft zur
Weiterbildung. Damit kann dann der Fischwirt nach drei Jahren Praxis
die Prüfung zum Fischwirtschaftmeister ablegen. Etwa 30 Prozent
machen davon Gebrauch. Fast 60 Prozent der Auszubildenden haben sich
für den Bereich Fischhaltung und Fischzucht entschieden. Sie sollen
später auch dafür sorgen, dass die Tiere sich in Teichanlagen
vermehren und gesunde Jungfische in Gewässern zur Bestandserhaltung
ausgesetzt werden. Ein regionaler Schwerpunkt für die Schulung in
Aquakultur ist Bayern.
«Fischwirt ist ein Beruf mit Zukunft», erklärt Hermann Bayrle,
Ausbildungsleiter der Bayerischen Landesanstalt für Fischerei in
Starnberg. Er rät Interessenten, mindestens ein Jahr vor einer
Entscheidung ein Praktikum machen, am besten in zwei Betrieben. Es
sollte nicht in der «Biergartenzeit» liegen, wenn das Wetter schön
ist und der Beruf sich von seiner angenehmen Seite zeigt. «Wenn die
harte Arbeit ansteht, beispielsweise beim Abfischen eines Teiches,
lernt man den Berufsalltag kennen.» Bayrle macht auf einen weiteren
wichtigen Punkt aufmerksam: «Den Wohnsitz diktiert der Beruf, man
muss jeweils dort arbeiten, wo die Fische sind.» Zu den Tätigkeiten
gehört auch die Verarbeitung: Die Tiere müssen geschlachtet,
geschuppt, ausgenommen und konserviert werden. In Starnberg erhalten
ebenfalls die wenigen Auszubildenden des Bereichs Seen- und
Flussfischerei ihren Unterricht. Diesem traditionellen Beruf wird
fast ausschließlich in Familienbetrieben nachgegangen, aus denen die
Lehrlinge stammen. «Ein ganz spezieller Bereich ist die Kleine
Hochsee- und Küstenfischerei», sagt Lambers. «Nicht jeder kann auf
einem Kutter arbeiten.» Etwa 30 Prozent der Auszubildenden
entscheiden sich für einen solchen Arbeitsplatz. Unter ihnen ist
keine Frau. «Bewerber müssen körperlich und gesundheitlich fit sowie
seetauglich sein», erklärt Heiko Dauster von der
Landwirtschaftskammer für Schleswig-Holstein in Kiel. Muskelkraft
ist zwar gefragt, doch allein nicht ausreichend. «Geistig rege und
bereit zur Fortbildung sein», nennt Dauster als Grundvoraussetzung.
«Sonst verrichtet man Handlangerdienste an Bord.»
Die Ausbildung ist
vielseitig. Außer den Bereichen Fisch und Fischerei stehen Nautik
und Motorenkunde auf dem Plan. Wenn der Kutter aus dem Hafen
ausgelaufen ist, bestimmen Ebbe und Flut den Arbeitsrhythmus und
nicht die Uhr. Nachtarbeit fällt an, die Fahrten dauern mehrere
Tage.
Informationen: Bundesagentur für Arbeit: »Fischwirt/in
Horst Heinz Grimm, 24.7.2006 |
*TIPP*
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