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Lehre im Friseursalon: Erfahrungen im Barbie-Styling reichen nicht

Köln (dpa/gms) - Schon als Kind habe sie stundenlang die Puppe gestylt. Jetzt fehle nur noch die Ausbildungsstelle zum Traumberuf, schreibt die Bewerberin. Friseurmeister Armin Burkart aus Rheinstetten (Baden-Württemberg) hat nichts gegen die Leidenschaft für Haare und die Lust, an ihnen herumzuhantieren. Aber der Wunsch, das Friseurhandwerk zu erlernen, dürfe sich nicht darauf beschränken: «Man trägt Verantwortung für die Kunden. Die stehen im Mittelpunkt und nichts anderes.»
An Bewerberinnen mangelt es Burkart nicht. Nur die wenigsten erfüllen aber seine Kriterien: Dazu gehören ein ordentlicher Schulabschluss, möglichst Mittlere Reife oder ein sehr guter Hauptschulabschluss, sowie gute Zensuren in Mathematik, Chemie und Physik. Weiterhin benötigen die Kandidaten eine gewisse Allgemeinbildung, damit sie sich mit den Kunden im Salonstuhl auch angemessen unterhalten können.
Nicht zuletzt erwartet Burkart Kreativität und bildliches Vorstellungsvermögen. «Ich lasse Probe arbeiten», sagt er. «Wer aktiv ist und zeigt, dass er etwas lernen will, hat gute Karten.» Sofern auch die Körpermaße stimmen: Spätestens ab einer Größe von 1,90 Meter und einer gewissen Körperfülle belaste der Beruf den Rücken. «Friseure müssen den ganzen Tag stehen».
Jedes Jahr starten zwischen 13 000 und 15 000 junge Menschen eine Lehre im Friseurhandwerk, 92 Prozent sind Frauen, so der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks in Köln. Die Lehre dauert in der Regel drei Jahre. Sie ist sehr praxisorientiert und oft auch für die Ausbilder zeitintensiv. Daher werden auch Schnitt- oder Trend-Seminare an privaten Schulen angeboten: «Damit kann man die Fertigkeiten und den Kenntnisstand der Gesellenprüfung deutlich schneller erwerben», erklärt Oliver Bohn, Leiter einer Friseurfachschule in Lörrach.
Das Friseurhandwerk ist vergleichsweise personalintensiv. Daher werde auch überdurchschnittlich stark ausgebildet, sagt Dirk Kramprich, Sprecher des Zentralverbandes. «Fast jeder fünfte Mitarbeiter ist ein Auszubildender.» Allerdings ist die Zahl der Ausbildungsplätze zuletzt leicht gesunken: «2003 war kein gutes Jahr für die Friseure.» In Krisenzeiten wird der Besuch beim Haarschneider hinausgezögert. «Und die Debatte, den Friseur zu einem zulassungsfreien Beruf zu machen, hat die Unternehmen sehr verunsichert.»
Die Diskussion ist vorerst vom Tisch: Gesellen benötigen den Meistertitel oder eine sechsjährige Berufserfahrung, davon vier in leitender Stellung, wenn sie sich selbstständig machen wollen. Und das wollen viele: Die Unternehmensgründungen nehmen trotz der damit verbundenen Schwierigkeiten zu.
Der Wechsel vom Angestelltenverhältnis in die Vollexistenz ist schwer. Nicht zuletzt gibt es eine finanzielle Hürde: «Die meisten haben kein Geld.» Das ist kein Wunder, wenn ein Lehrling im letzten Ausbildungsjahr in Westdeutschland im Schnitt 500 Euro, im Osten 350 Euro verdient. Und die Ausbildung zum Meister im Vollzeit- oder Teilzeitunterricht oder an Friseurschulen kostet an die 4000 Euro, inklusive Prüfungsgebühr und Lehrmaterialien.
Friseure können richtig gut Geld verdienen. «Durch die Trinkgelder kommt ein zusätzlicher Verdienst von mindestens 160 Euro netto im Monat hinzu.» Allerdings übernehmen sich viele Existenzgründer: «Die meisten Friseure verstehen sich als kreative Menschen und nicht unbedingt als Betriebswirte», meint Rainer Röhr, Geschäftsführer des Zentralverbandes. Zwar gehört das Thema «Salonmanagement» in die Meisterschule, aber die eigentliche betriebswirtschaftliche Ausbildung finde in der Praxis statt, so Unternehmensberater Hofmann. Dabei gebe es drei Optionen, sich einen eigenen Salon aufzubauen: Der erste Weg führt über öffentliche Fördermittel wie das Meister-BAföG oder das Existenzgründungsprogramm der Deutschen Ausgleichsbank. Allerdings sind diese Kredite an Sicherheiten und an Eigenmittel von mindestens 15 Prozent gebunden. Der zweite Weg ist Leasing: Haarkosmetikunternehmen übernehmen die Einrichtung des Salons und lassen sich das mit den Rabatten aus dem Haarkosmetikgeschäft bezahlen. Der Abnehmer legt sich damit aber auf eine bestimmte Marke fest. «Wir raten dazu, die Angebote genau zu vergleichen», sagt Rainer Röhr. Für Unternehmensberater Hofmann ist der am wenigsten aufwendige Weg der beste: Die Existenzgründer machen eigene Mittel über Familie oder Freunde flüssig und bescheiden sich in der Einrichtung: «Man kann schon mit 20 000 Euro einen stilvollen Salon einrichten. Das muss nicht immer das edelste und teuerste Design sein.»
Informationen im
Internet: Bundesagentur für Arbeit: »Friseur/in
Von Julia Depp, 9.8.2004
*TIPP*
 

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