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Gesundheits- und Krankenpfleger/-in:
Schwester ade
Berlin/Magdeburg (dpa/gms)
- Krankenschwestern gelten einerseits als Inbegriff der
Hilfsbereitschaft. Andererseits wird ihnen oft nicht viel zugetraut:
Bettdecken aufschlagen, tröstende Worte spenden und das Essen
bringen - nach einem verbreiteten Klischee beschränkt sich ihre
Arbeit auf anspruchslose Tätigkeiten. Doch das stimmt schon lange
nicht mehr, falls es je gestimmt hat. Auch die Berufsbezeichnung ist
Geschichte: Die Schwester hat sich verabschiedet. Der
Ausbildungsberuf heißt inzwischen Gesundheits- und Krankenpfleger.
«Das klingt ein bisschen sperrig und hat sich noch nicht
durchgesetzt», räumt Franz Wagner ein. «Es soll aber signalisieren,
dass es nicht nur um Kranke geht», sagt der Geschäftsführer des
Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) in Berlin.Beratung,
Gesundheitsförderung und Prävention haben an Bedeutung gewonnen -
auch im Blick auf die Arbeitsplätze: «Viele Krankenhäuser bauen
Personal ab.» Die jüngste Änderung der Ausbildungsverordnung 2004
hat diesen Entwicklungen Rechnung getragen. Nach einhelliger
Einschätzung sind die Anforderungen an den Beruf merklich gestiegen:
«Warmes Herz und Händchen halten reicht nicht», sagt Wagner. «Der
Beruf ist komplexer geworden. Man muss heute auch viel
selbstständiger arbeiten als früher», erklärt der ausgebildete
Intensivpfleger. Und in vielen Bereichen hat auch im Krankenhaus
High-Tech Einzug gehalten.
«Die Krankenhauslandschaft hat sich sehr geändert und damit auch die
Ausbildungssituation», ergänzt Klaus Gallien, Pflegedirektor am
Evangelischen Elisabeth-Krankenhaus in Trier. «Früher waren
Patienten fünf Wochen auf Station, heute werden sie oft nach fünf
Tagen entlassen.» Die medizinische und pflegerische Versorgung
konzentriert sich auf einen kurzen Zeitraum. «Der Druck ist
wesentlich größer geworden, die Arbeit optimal zu organisieren»,
sagt Gallien. Auch die Ansprüche an die Bewerber sind gewachsen.
Der Pflegedirektor hat gerade einer Bewerberin eine Zusage gegeben:
«Die kannten wir schon, weil sie bei uns ein Praktikum gemacht hat.»
Viele Bewerber begründeten ihre Entscheidung für den Beruf mit «Ich
möchte gerne mit Menschen arbeiten», berichtet Gallien. «Ich frage
dann "Auch mit kranken Menschen?"» Und auch das reicht noch nicht:
«Wir legen zum Beispiel auch Wert auf naturwissenschaftliche
Kenntnisse.» Die Ausbildung im Krankenhaus und an der dazu
gehörenden Krankenpflegeschule dauert drei Jahre. Die Auszubildenden
verdienen laut Tarif zwischen 729 (674 Euro in Ostdeutschland) im
ersten und 884 (818) Euro im dritten Ausbildungsjahr. Viele
Jugendliche machen sich vom Alltag auf den Stationen falsche
Vorstellungen: «Das liegt auch an den vielen Fernsehserien wie
"Schwester Stefanie"», sagt Oberin Renate Groß vom
Universitätsklinikum in Magdeburg. «Da können die Schwestern einfach
alles - bis zur psychologischen Betreuung, und sie sind immer im
Dienst.» Ein Praktikum kann auch sie empfehlen. Künftig wird nur
noch die Hälfte der Gesundheits- und Krankenpfleger im Krankenhaus
angestellt sein, schätzt Verbandsgeschäftsführer Wagner. Neue
Perspektiven ergeben sich seiner Einschätzung nach beispielsweise in
Reha-Kliniken und früheren Kur-Einrichtungen. «Ein riesiger Bedarf
ist in der ambulanten Pflege absehbar und in den Altenheimen.»
Nachwuchs wird nach eher schwierigen Jahren insgesamt wieder
gesucht: «Wer heute die Ausbildung anfängt, hat optimale
Berufschancen», prognostiziert Wagner. «Die Pflege ist auf jeden
Fall eine Zukunftsbranche.» Die Anforderungen werden aber weiter
steigen. Der DBfK setzt sich deshalb dafür ein, dass es künftig
Studiengänge gibt, die für den Beruf qualifizieren. Der Beruf könne
dadurch attraktiver werden - nicht zuletzt für Bewerber, die sich
bislang nicht für ihn interessieren, sagt Wagner.
Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen gibt es aber schon
jetzt: «Zum Beispiel zur Stationsleitung», sagt Oberin Renate Groß.
Außerdem ist eine zweijährige Weiterbildung beispielsweise zum
Intensiv- oder zum Endoskopiepfleger möglich. Gerade im Krankenhaus
ist die Arbeit oft körperlich anstrengend: «Wirbelsäulenschädigung
ist die Berufskrankheit Nummer eins», sagt Klaus Gallien. «Man packt
einfach immer zu. Jenseits der 50 kommen die
Verschleißerscheinungen.» Und es ist kein Ausnahmefall, dass eine
Nachtschwester allein 35 Patienten versorgen muss. «Man hat
insgesamt deutlich weniger Zeit, sich um den einzelnen zu kümmern»,
bestätigt Renate Groß. «Das bedauern auch viele Kolleginnen.»
Andererseits sei der persönliche Kontakt zu den Patienten durchaus
noch da - und gerade das macht den Beruf für viele nach wie vor
reizvoll.
Informationen: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe,
Geisbergstraße 39, 10777 Berlin, Tel.: 030/219 15 70, im Internet:
Deutscher Berufsverband
für Pflegeberufe und Bundesagentur für Arbeit
»Gesundheits-
und Krankenpfleger/in
Andreas Heimann, 28.3.2006 |
*TIPP*
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