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Handwerk mit Glitzerfaktor: Viele Goldschmiede arbeiten selbstständig
Kempen/Wolfsburg (dpa/tmn) - Filigrane Ketten liegen in
der Auslage, seidig schimmert der goldene Armreif, funkelnd bricht
sich das Licht des Diamanten im Ring. Timm Hendricks hat ganze
Arbeit geleistet. Vor wenigen Monaten hat der 31-jährige Goldschmied
sein eigenes Geschäft in einem alten Fachwerkhaus in Kempen
eröffnet, und er ist froh, diesen Schritt gewagt zu haben. «Man muss
einiges tun, um am Markt bestehen zu können, und verwirklichen kann
man sich eben nur im eigenen Laden», weiß Hendricks aus Erfahrung -
schließlich kommt er aus einer Goldschmiedefamilie. Sein Vater Heinz
führt seit 36 Jahren eine Goldschmiedewerkstatt im benachbarten
Krefeld, hier hat der Junior auch seine Ausbildung gemacht.
Am liebsten arbeitet Timm Hendricks mit Platin und Gold - und das,
obwohl der Goldpreis in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches
angestiegen ist. Etwa 18 000 Euro kostet heute ein Kilogramm, rund
500 Gramm dieses Edelmetalls sollte ein Goldschmied besitzen, um
genügend Schmuckstücke herstellen und anbieten zu können. «Etwa 10
000 Euro braucht ein Goldschmied als Startkapital. Wenn es mehr ist,
umso besser», sagt Hans-Jürgen Wiegleb, Goldschmiedemeister in
Wolfsburg und Präsident des Zentralverbandes der deutschen
Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Jungen Kollegen werde es
nicht leicht gemacht, sich ein eigenes Geschäft aufzubauen, zudem
sei die Konkurrenz sehr groß.
Die Ausbildung kann auf verschiedene Weise erfolgen: Am beliebtesten
ist - neben der klassischen Ausbildung im Betrieb - die dreieinhalb
Jahre dauernde, schulische Vollzeitausbildung in der
Berufsfachschule der Staatlichen Zeichenakademie Hanau. Im Jahre
1772 als «Schule zur Hebung der Zeichenkünste» gegründet, gilt sie
heute als eine der Kaderschmieden des Gewerbes. Entsprechend groß
ist der Andrang: «Auf 50 Plätze kommen rund 180 Bewerbungen»,
erzählt Bruno-Wilhelm Thiele, der seit 1989 als Dozent in Hanau
tätig ist.
Den langen Ausbildungsweg zum Meister scheuen allerdings
mittlerweile die meisten Goldschmiede. Während Verbandspräsident
Wiegleb diesen Trend bedauert, sieht Astrid Huber von der
Gesellschaft für Goldschmiedekunst in Hanau das eher gelassen. Wer
seine Befähigung für diesen Beruf beweisen kann, brauche nicht
unbedingt noch die Meisterschule zu absolvieren. Gleichwohl gibt
auch sie zu, dass durch die verschiedenen Ausbildungswege die
Qualität der Ausbildungen etwas aufgeweicht werde. Für die kommenden
Jahre sei deshalb eine Angleichung der Ausbildungen an den Master-/Bachelor-Standard
und damit ein international einheitlicher Abschluss geplant.
In Deutschland sei das Anfertigen von Schmuck häufig eine
individuelle und auf den jeweiligen Wunsch des Kunden abgestimmte
Angelegenheit. Eines der Ziele der Gesellschaft für
Goldschmiedekunst ist es deshalb, diese Kunst noch mehr zu fördern,
so Astrid Huber. «Wir möchten vor allem auch zeigen, dass
Goldschmieden eine Wissenschaft für sich ist, in der viel Liebe zum
Detail und Einfühlungsvermögen gefragt sind.» Vieles hat sich nach
Angaben von Bruno-Wilhelm Thiele in den vergangenen Jahren geändert
- vor allem die Art und Weise, Schmuck herzustellen. So würden viele
Schmuckstücke nicht mehr auf dem Zeichenblock entworfen, sondern oft
am Computer gezeichnet und dann zunächst maschinell als Wachsmodell
hergestellt. Auch die Machart des Schmucks sei anders als früher:
Während in den 60er-Jahren der Steinschmuck, in den 80er-Jahren der
metallbetonte und in den 90ern der Acryl-/Glas-Schmuck en vogue
waren, gehe heute der Trend hin zu künstlerischem, filigranem
Juwelenschmuck. «Dabei geht es aber nicht um ein bloßes
Zusammenballen von vielen Karat, sondern die Schmuckdesigner legen
großen Wert auf zarte, hochwertige Metallfassungen», betont Thiele.
Und auch wenn sich die Vorlieben ändern, so spielt doch ein Material
immer eine große Rolle: Gold. Viele Schmuckdesigner hätten in den
vergangenen Jahren zwar versucht, in andere Materialien
auszuweichen, doch Gold sei immer noch das Lieblingsmetall der
Kreativen, sagt Thiele. «Es ist einfach ein faszinierendes,
emotional besetztes Material, mit dem man hervorragend arbeiten
kann.»
Informationen: Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere, Am Schölenberg 9, 49082 Osnabrück
(Tel.: 0541/60 02 86 90, E-Mail:
zv@goldschmied.com; Internet: »Zentralverband
der Deutschen Goldschmiede).
Informationen über die Ausbildung: Bundesagentur für Arbeit »Goldschmied/in
Claudia Bell, 31.1.2007 |
*TIPP*
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