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Unverzichtbar am Wochenbett - Hebammen sind bei jeder Geburt dabei
Karlsruhe (dpa/gms) - Wenn der Nachwuchs mit dem ersten kräftigen Schrei seine Existenz ankündigt, steht so gut wie immer eine fremde Frau am Bett der Mutter - egal, ob das Kind im Krankenhaus, in einem so genannten Geburtshaus oder zu Hause zur Welt kommt. Diese Anwesenheit schreibt sogar das Gesetz vor. Bei bundesweit 715 000 Geburten im Jahr, die das Statistische Bundesamt für 2003 ermittelte, bedeutet das viel Arbeit für die etwa 15 000 zugelassenen Hebammen.
Beruflicher Nachwuchsmangel besteht bei Hebammen nicht. «Wahnsinnig überlaufen», beschreibt Edith Wolber vom Bund Deutscher Hebammen (BDH) in Karlruhe die Situation. Die Ausbildung erfolgt an Hebammenschulen. Es gibt jedoch kein einheitliches Auswahlverfahren für die Aufnahme. «Von 1000 Bewerbungen können 25 berücksichtigt werden. Da haben nur die Besten und Motiviertesten Chancen.» Deshalb ist es ratsam, die Gründe für den Berufswunsch im Bewerbungsschreiben darzustellen. Als Voraussetzungen gelten gesundheitliche Eignung, Realschulabschluss oder gleichwertige Ausbildung sowie Hauptschulabschluss und mindestens abgeschlossene Berufsausbildung.
Die entsprechenden Bestimmungen schreiben als Alter das vollendete 17. Lebensjahr vor. «Bewerberinnen sollten schon älter sein, keine Schule nimmt solche junge Anfängerinnen auf, ihnen fehlt ein ganzes Stück Lebenserfahrung», sagt Edith Wolber. Sie hält ein Mindestalter von etwa 22 Jahren für richtiger, denn die Hebamme muss eine andere Frau einfühlsam und fürsorglich bei der Geburt begleiten. Der traditionelle Frauenberuf steht nach dem Gleichheitsgrundsatz seit 1985 auch Männern offen, die sich nach erfolgreicher Ausbildung Entbindungspfleger nennen dürfen. Beim BDH ist aber nur ein einziger Fall bekannt, in dem ein Mann diesen Beruf auch ausübt.
Die Ausbildung an Hebammenschulen, die Krankenhäusern angegliedert sind, dauert drei Jahre. 1600 Stunden Theorie und 3000 Stunden Praxis stehen auf dem Lehrplan. Vorkenntnisse aus dem Gesundheitsbereich sind von Vorteil. Eine abgeschlossene Ausbildung als Krankenschwester beispielsweise wird mit zwölf Monaten angerechnet. «Die Ausbildung soll insbesondere dazu befähigen, Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und dem Wochenbett Rat zu erteilen, normale Geburten zu leiten oder Komplikationen des Geburtsverlaufs frühzeitig zu erkennen» schreibt das Gesetz die Ziele des Schulbesuches vor.
Außerdem müssen sie lernen, Neugeborene zu versorgen, den Wochenbettverlauf zu überwachen und eine Dokumentation über den Geburtsverlauf anzufertigen. Für die angehenden Hebammen bedeutet dies, sich in Gesundheitslehre, Hygiene, Säuglingspflege und Kinderheilkunde zu vertiefen.
Den überwiegenden Teil ihrer Arbeit leisten die Hebammen vor und nach der Geburt, also außerhalb einer Klinik. Es sind freiberufliche Fachkräfte, die etwa zwei Drittel der in diesem Beruf Tätigen ausmachen. Dorothea Kühn vom Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) in Frankfurt unterstreicht die Bedeutung dieser Art der Betreuung. «Wir bereiten die Schwangeren intensiv auf die Geburt vor, unter anderem durch entsprechendes Atemtraining, das die Wehen erleichtern kann.» Die Hebammen seien aber auch zur Stelle, wenn die Mutter zu Hause im Wochenbett liegt.
Der Nachwuchs erblickt in der Regel im Krankenhaus das Licht der Welt. Dorothea Kühn verweist auf die zunehmende Bedeutung von Geburten zu Hause und Niederkünften in den so genannten Geburtshäusern, von Hebammen geleiteten Einrichtungen. «Etwa 10 000 Kinder bringen wir außerhalb von Kliniken zur Welt.»
Nur im Falle von Komplikationen wird die Mutter in ein Krankenhaus gebracht, um ärztlich entsprechend versorgt zu werden. Sonst aber liege die ganze Verantwortung bei der jeweils engagierten Hebamme. Hausgeburten sind übrigens nicht auf ländliche Gebiete beschränkt sondern auch in Städten seit etwa zehn Jahren immer gefragter. Wobei das Geburtshaus eine gute und inzwischen viel genutzte Alternative zum heimatlichen Schlafzimmer darstellt. In Berlin beispielsweise gibt es sechs solcher Einrichtungen.
Wer den Beruf der freien Hebamme ergreift, muss sich auf lange Arbeitstage und unregelmäßigen Dienst einstellen. «Viele Geburten beginnen nachts, man weiß nie wann», erzählt Dorothea Kühn. Hebammen sind für die Schwangeren ständig erreichbar. «Fünf Wochen vor der zu erwartenden Geburt wird dann eine dauernde Rufbereitschaft vereinbart. Wenn die angehende Mutter ein Problem oder auch nur Gesprächsbedarf hat, sind wir für sie da.»
Natürlich wird der Einsatz vergütet. Die Honorare richten sich nach der Hebammen-Gebührenordnung und werden von den Kassen übernommen. «Die Freien können zwischen 15 000 und 60 000 Euro im Jahr verdienen», sagt Kühn. «Im Anstellungsverhältnis liegt das monatliche Gehalt für eine ausgebildete, etwa 30 Jahre alte Hebamme zwischen 1500 und 2000 Euro», sagt Edith Wolber.
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