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Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit wird Ausbildungsberuf

Bonn/Berlin (dpa/gms) - Seit 1. August 2005 gibt es einen neuen Beruf: Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit. Der neue Beruf ersetzt die bisherige Fachrichtung Kuren und Fremdenverkehr im Beruf Reiseverkehrskaufmann/-frau. Als Ausbildungsbetriebe kommen zum Beispiel Tourismusorganisationen, Freizeit- und Ferienparks oder Unternehmen im Gesundheits- und Wellnessbereich infrage. Nach drei Ausbildungsjahren ist es Aufgabe der jungen Fachkräfte, Kunden über Freizeitangebote zu beraten, touristische Dienstleistungen zu erarbeiten und zu vermarkten und Veranstaltungen durchzuführen.
Kaufleute für Tourismus und Freizeit arbeiten, wo andere Urlaub machen: in Wellness- oder Kurbetrieben, in Ferien- oder Erlebnisparks, bei Tourismusorganisationen oder auf Campingplätzen. Ihr Beruf ist ganz neu. Die Ausbildungsverordnung ist erst seit kurzem in Kraft, Ausbildungsbeginn ist im August 2005. Der neue Beruf soll den Reiseverkehrskaufmann, der insbesondere für die Arbeit bei Reiseveranstaltern und im Reisebüro qualifiziert ist, nicht ablösen, sondern ergänzen. Fachleute bescheinigen ihm gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. «Der Kaufmann für Tourismus ist grundsätzlich für die Urlauber vor Ort zuständig, nicht für diejenigen, die ins Ausland verreisen wollen», sagt Bettina Trappmann-Webers. «Beide Berufe sind gleichwertig», erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Ob auch das Einkommen tatsächlich vergleichbar sein wird, sei aber fraglich.
«Die Tourismusbranche ist mit 2,8 Millionen Arbeitsplätzen ein wirtschaftliches Schwergewicht», sagt Beatrix Strauch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. «Freizeit und Urlaub in Deutschland werden zunehmend nachgefragt.» Für den beruflichen Nachwuchs eröffnet das viele Möglichkeiten. «Es gibt auch für den neuen Beruf ein riesiges Potenzial an Ausbildungsbetrieben.» Dazu zählt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin die mehr als 300 Kurorte und Heilbäder, rund 100 Freizeit- und Erlebnisparks, fast 2600 Campingplätze sowie Freizeitbäder, Incoming-Agenturen oder Verkehrsunternehmen, die touristische Attraktionen vermarkten. In Deutschland gibt es außerdem mehr als 12 000 Städte und Gemeinden, von denen etwa 4000 in Tourismusverbänden organisiert sind und Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen können. Der DIHK rechnet in diesem Jahr mit rund 800 Auszubildenden. «Die neue Ausbildung dauert drei Jahre», sagt Hella Lüth, beim DIHK Referatsleiterin für kaufmännische Berufe. Sie fördere aber auch die Professionalisierung der Anbieter. In Deutschland gebe es in dieser Hinsicht durchaus Nachholbedarf. Ausbildungs-Schwerpunkte seien unter anderem Marketing und Vertrieb sowie Planung und Organisation von Veranstaltungen. Aber auch mit moderner Kommunikationstechnik müssten die Azubis umgehen lernen. «Und natürlich ist der Kaufmann für Tourismus und Freizeit ein kundenorientierter Beruf.» Wer ungern unter Menschen ist und generell lieber alleine vor sich hinarbeitet, ist hier falsch. «Ein weiterer Ausbildungsberuf in einer Zukunftsbranche ist eine attraktive Sache», bestätigt Armin Brysch aus dem Vorstand der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) in Frankfurt/Main. Die DZT bildet auch selbst aus, bisher Reiseverkehrskaufleute, vom 1. September an aber auch drei Kaufleute für Tourismus und Freizeit. Neben Stationen in der DZT-Zentrale, etwa im Vertriebsmanagement, in der Marktforschung und der Öffentlichkeitsarbeit, ist auch ein mehrwöchiger Einsatz in einer Auslandsvertretung vorgesehen, die es zum Beispiel in Frankreich, Spanien oder Großbritannien gibt.
Ausbildungsbetriebe gibt es aber auch in Kurorten - wie in Bad Zwischenahn im Nordwesten Niedersachsens. Für den zunächst einen Ausbildungsplatz, der bereits vergeben ist, «hatten wir bereits eine enorme Zahl an Bewerbungen», sagt Peter Schulze, Kurdirektor und Geschäftsführer der Bad Zwischenahner Touristik GmbH. Der Azubi soll sich in der Kurverwaltung unter anderem mit der Zimmervermittlung und der Organisation von Kongressen vertraut machen, sich aber in der Touristik GmbH auch mit Verkaufsförderung und Werbung beschäftigen. Gerade die Betreiber von Campingplätzen haben in der Vergangenheit immer wieder beklagt, kein qualifiziertes Personal zu finden. «Campingplätze sind nicht mehr einfach eine grüne Wiese mit einem Zaun drumrum», sagt Bruno Reibstein von der HdW Stralsund GmbH. Sie seien eher wie Dörfer mit vielen unterschiedlichen Bewohnern. Wer dort arbeitet, muss mit allen Gruppen klar kommen, kompetenter Ansprechpartner sein, aber im Zweifelsfall auch wissen, was zu tun ist, wenn die Duschen nicht funktionieren oder das Licht ausfällt.
Informationen im Internet: Unter »Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und unter »DIHK sind unter «Aus- und Weiterbildung» auch Links zu finden, die zu Tourismusorganisationen, Kur- und Heilbädern, Campingplätzen und anderen potenziellen Ausbildungsbetrieben führen. Bundesagentur für Arbeit »Kaufmann/-frau - Tourismus und Freizeit
Von Andreas Heimann, 16.05.2005

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