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Bahnkaufleute: Unentbehrliche Kräfte
auf Bahnhöfen und in Zügen
Hamburg/Köln (dpa/gms) - Gespür für Service und Bedürfnisse der
Kunden gilt genauso als Voraussetzung wie Flexibilität und
Kontaktfreude. Ohne den Beruf des Kaufmanns im Verkehrsservice wäre
der Ablauf des zügigen Bahnreisens gar nicht möglich: Jeden Tag
arbeiten Tausende von ihnen im Schichtdienst auf den mehr als 110
Hauptbahnhöfen Deutschlands und in Hunderten von Zügen zwischen
Aachen und Frankfurt/Oder sowie Sylt und Garmisch-Partenkirchen.
Anushya Valliapan ist eine von ihnen. Man trifft die junge Frau am
Service Point der Deutschen Bahn auf dem Bahnhof Hamburg-Altona,
dem wichtigsten Start- und Endpunkt des Schienenverkehrs in
Norddeutschland. Eine Reisende möchte von ihr wissen, ob der
schon auf Gleis acht bereitstehende Eurocity nach Wien über Prag
fährt und sie dort für zwei Tage unterbrechen kann. Valliapan lässt
sich den Fahrschein zeigen. «Ja, ohne Problem», lautet die
Antwort. Diese Auskunftskompetenz qualifiziert Valliapan auch für
den Dienst im Reisezentrum, wo nicht nur einfach die Fahrscheine
verkauft werden. Das Heraussuchen auch komplizierter
Zugverbindungen, Platzreservierungen und Preiskalkulationen gehören
ebenfalls zu dem Job. Für die Arbeiten stehen nicht nur hier
Computer zur Verfügung. Elektronisch informiert sich die junge Frau
auch, wenn sie vom Stellwerk aus ihre Ansagen für die Bahnsteige
macht: «Auf Gleis zwölf wird der ICE nach München
bereitgestellt.» Andere Servicekräfte arbeiten in den Zügen -
Jennifer Batsch beispielsweise. Dienstbeginn ist in Dortmund, sie
fährt als Zugbegleiterin im ICE nach Berlin und am selben Tag noch
zurück. «Während der Fahrkartenkontrolle erkläre ich den Kunden
Anschlussmöglichketen. Vereinzelt verkaufe ich mit dem handlichen
tragbaren Computer Fahrkarten.» Zu den Aufgaben des Zugpersonals
gehört auch, beim Ein- und Aussteigen behilflich zu sein, über den
nächsten Halt zu informieren und Durchsagen zu machen. In der Ersten
Klasse bringt es den Reisenden Getränke und Snacks an den Platz. Die
Servicekräfte sind an Uniform und roter Mütze erkennbar. Reisende
treffen sie auch auf den Bahnsteigen. Bei diesem so genannten
Mobilen Service sprechen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
Menschen an, bei denen erkennbar ist, dass sie nach Informationen
suchen. Sie helfen, wenn notwendig, beim Aus- und Einsteigen - etwa
durch Bereitstellen eines Rollstuhllifts. Auch eine Mutter mit drei
Kindern und viel Gepäck sollte sich ihrer Hilfe sicher sein können.
Fällt ihnen eine unsaubere Stelle auf, rufen sie die Bahnreinigung
und in bedrohlichen Situationen auch schon mal die Bundespolizei,
die auf den Bahnhöfen für Sicherheit sorgt.
Größter Ausbilder für diesen Beruf ist die Deutsche Bahn AG. «Wir
haben bundesweit etwa 1000 Auszubildende», sagt Sabine Brunkhorst
von der DB in Hamburg. «Das Verhältnis von Männern und Frauen ist
zahlenmäßig ausgeglichen.» Bewerber für eine Stelle brauchen einen
Realschul- oder guten Hauptschulabschluss. Außerdem werden gute
Englischkenntnisse verlangt. Nach den Vorgesprächen stehen ein
Eignungstest und eine bahnärztliche Untersuchung an. Dann erst kann
die Ausbildung im Bahnbetrieb, in der Berufsschule sowie in
bahneigenen Einrichtungen beginnen. Die Bahnneulinge lernen ihr
Tätigkeitsfeld kennen, erfahren Einzelheiten über Streckennetz und
Verkehrsmittel, den Umgang mit vorhandenen Informations- und
Kommunikationssystemen und erhalten kaufmännisches Training, denn
sie müssen ja auch Bahnleistungen verkaufen.
Auf dem Lehrplan steht ebenfalls, wie man mit Ausnahmesituationen
umgehen muss - beispielsweise, wenn es Verspätungen gibt. Dann
bekommen die Beschäftigten am Service Point manche unfreundliche
Bemerkung zu hören. Darauf gilt es ruhig und klar zu reagieren.
«Überwiegend sind die Reisenden aber freundlich», meint Valliapan.
Die meisten wollen die Verspätung bestätigt bekommen, um eine
Entschädigung zu beantragen. Die Ausbildung dauert drei Jahre, wobei
ein vorzeitiger Abschluss möglich ist. Die Prüfung zum Kaufmann
oder zur Kauffrau für Verkehrsservice wird vor der zuständigen
Industrie- und Handelskammer abgelegt und gilt nicht nur für den
Bereich der Deutschen Bahn. «Bei uns sind 75 Unternehmen
organisiert, die Personenverkehr mit Eisenbahn betreiben», sagt
Friedhelm Bihn vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in
Köln. Auch hier sind diese Kaufleute gefragt. «Firmen bilden auch
selbst aus», ergänzt der beim VDV für Ausbildung zuständige Michael
Weber-Wernz. Während der Ausbildung werden bei der DB monatlich 600
Euro im ersten bis 700 Euro in dritten Jahr gezahlt. Das
Anfangsgehalt liegt dann zwischen 1500 und 1700 Euro. Dazu kommen je
nach Einsatz Zulagen. Die Aufstiegsmöglichkeiten hängen von der
persönlichen Bereitschaft zum Weiterbilden ab. Die Kaufleute können
zu Verkehrsfachwirten aufsteigen oder über das Studium an einer
Fachhochschule Diplom-Betriebswirt werden.
Bundesagentur für Arbeit
»Kaufmann/-frau
für Verkehrsservice
Von Horst Heinz Grimm, 15.01.2007
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*TIPP*
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