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Korbflechter: Davon gibt es nur
einige Hundert
Hamburg/Augsburg (dpa/gms) - Das
Geflecht der alten Thonet-Stühle bedurfte dringend einer Erneuerung.
Ein Fachmann fand sich nach kurzem Suchen. Der Korbflechter Josef
Zimmer in Hamburg hat sich auf hochwertige Reparaturen
spezialisiert. Er ist einer von einigen Hundert Menschen, die in
Deutschland diesem alten Gewerbe nachgehen. Zu ihnen gehört auch die
32 Jahre alte Anja van Kempen in Augsburg. "Es ist kein Beruf, bei
dem man reich wird, er macht aber sehr viel Spaß", sagt sie. Van
Kempen hat die Staatliche Berufsfachschule für Korbflechterei in
Lichtenfels besucht und dort ihre Gesellenprüfung gemacht.
Anfänger, die in einem Betrieb die Praxis erlernen und im
Schulunterricht die theoretischen Grundlagen für ihren Beruf
erfahren, gibt es heute kaum noch. "Das duale System wurde in der
Korbflechterei praktisch durch die Fachschule abgelöst", erklärt
Schulleiter Gerhard Krug. "Unser Institut ist das einzige in
Deutschland." Wer den Beruf erlernen will, muss sich für drei Jahre
im fränkischen Lichtenfels niederlassen, das mit seinen Flechtwaren
schon im 19. Jahrhundert Handelsbeziehungen nach Amerika pflegte.
Nach der neuen Ausbildungsordnung gehört Korbflechterei zu den
Berufen, die keine mehrjährige Gesellenpraxis in einem Betrieb oder
den Meisterbrief erfordern, wenn man sich selbstständig machen will.
Der Meisterbrief gilt allerdings nach wie vor als Qualitätssiegel.
Jungen Leuten möchte Josef Zimmer nicht raten, diesen Beruf zu
ergreifen: "Es gibt zu wenig Aufträge." Anja van Kempen findet ihren
Beruf aber "immer noch klasse": "Man kann ihm überall nachgehen, man
arbeitet mit ökologischem Material." Die 32-Jährige hat nach dem
Abitur "etwas Handwerkliches" gesucht. Nach der Ausbildung machte
sie ihren Meisterbrief mit Auszeichnung. "Ich mache heute
Einzelanfertigungen nach Maß und auch Reparaturen."
Der Geschäftsführer des bundesweiten Industrieverbandes für
Korbwaren im bayerischen Neustadt, Wolfram Salzer, kennt die Gründe
für die Sorgen in diesem Gewerbe: "Statt zu heimischer Handarbeit
greifen die Kunden zu den Importwaren vor allem aus Indonesien und
den Philippinen." Wer sich für die Ausbildung zum Korbmacher - so
die offizielle Berufsbezeichnung - entscheidet, sollte neben einem
Hauptschulabschluss eine große handwerkliche Geschicklichkeit
mitbringen. Gefragt sind ferner Ausdauer, Formensinn und
gestalterische Begabung. Es besteht die Möglichkeit zur
Weiterbildung, beispielsweise für die Bereiche Innenarchitektur oder
Produktgestaltung.
Weide, Stroh, Binsen, Rattan, Bast, Schilf, Palmblätter und sogar
Kunststoff dienen als Arbeitsmaterial. "Geschnittene Weidenruten
müssen eingeweicht werden, um für eine Bearbeitung geschmeidig zu
sein, und durch Erhitzen wird ein Brechen des Materials verhindert",
zitiert Krug aus dem kleinen Einmaleins der Ausbildung. Der
Korbmacher fertigt von der Vorbereitung des Materials bis zum
fertigen Stück alles selbst in Handarbeit.
Informationen im Internet: Bundesagentur für Arbeit:
»Flechtwerkgestalter/in
Von Andreas Heimann, 31.3.2005
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*TIPP*
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