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Museum bis Versicherung - Kunsthistoriker müssen flexibel seinFrankfurt/Bonn (dpa/gms) - Sie konzipiert Ausstellungen
über Künstler wie Yves Klein oder James Ensor und bereist auf der Suche
nach den richtigen Exponaten die ganze Welt. Die Kunsthistorikerin Ingrid
Pfeiffer hat geschafft, wovon viele Kunstliebhaber träumen: Sie ist
Kuratorin für die Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main. «Meist arbeite
ich parallel an zwei bis drei großen Ausstellungen», berichtet die 39-Jährige.
Der Weg zu diesem heiß begehrten Job war auch für Ingrid Pfeiffer nicht
immer leicht, denn die Arbeitsmarktlage für Kunsthistoriker ist nicht
rosig. Doch wer sich bei der Stellensuche nicht zu sehr auf die klassischen
Berufsfelder versteift, hat als Kunsthistoriker auch in anderen Bereichen
Chancen. Die Aufgabe von Kunsthistorikern ist es in der Regel, Werke
zu erhalten, zu pflegen und zu sammeln sowie wissenschaftliche Untersuchungen
und Quellenstudien durchzuführen. «Die meisten Berufe sind von öffentlichen
Mitteln abhängig. Deshalb hat sich die Situation in Zeiten knapper Kassen
verschärft», sagt Marcello Gaeta vom Verband Deutscher Kunsthistoriker
in Bonn. Kunsthistoriker seien aber meist sehr breit ausgebildet. Der
Arbeitsmarkt für Kunsthistoriker ist nicht so begrenzt wie viele annehmen»,
sagt Verena Voigt aus Rosendahl (Nordrhein-Westfalen), Leiterin des
Praxisforums Kulturwirtschaft. Museumsarbeit, Denkmalpflege und die
Tätigkeit an Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen sind mögliche
Arbeitsfelder. Jobs für Kunsthistoriker gibt es aber auch in Verlagen,
Kunsthandlungen, in Galerien und Auktionshäusern sowie bei der Kunstversicherung,
der Kunstvermittlung und in der Tourismusbranche. Für die erfolgreiche
Jobsuche kann nach Ansicht Voigts vor allem eines entscheidend sein:
«Kunsthistoriker müssen ihre Berührungsängste gegenüber Kunstkommerz
abbauen, denn Kunst ist auch eine Handelsware. »Voraussetzung für die
Arbeit als Kunsthistoriker ist der Abschluss eines Universitätsstudiums.
Die Kunst des 19. Jahrhunderts, die Geschichte der Fotografie oder die
Gartenkunst vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart sind nur wenige Beispiele
für mögliche Inhalte der Seminare und Vorlesungen. Selbst malen müssen
Kunsthistoriker allerdings nicht. Für den Berufseinstieg ist meist ein
Volontariat nötig. Da die Konkurrenz um eine Stelle sehr groß ist -
für einen Volontariatsplatz in der Schirn Kunsthalle etwa gibt es in
der Regel mehr als 100 Bewerber - entscheiden sich viele Absolventen
für eine Doktorarbeit, um ihre Chancen zu verbessern. Die Kunsthistorikerin
Nicole Fassbender hat nach Abschluss ihres Studiums deutschlandweit
rund 80 Bewerbungen geschrieben - trotz guter Noten vergeblich. «Mein
Studium war sehr auf Theorie ausgelegt. Was man damit machen kann, wurde
nicht gezeigt», kritisiert die 28-Jährige. Sie recherchierte selbst
und stellte fest, dass es für Kunsthistoriker viel mehr Arbeitsfelder
gibt, als sie erwartet hatte. So bewarb sie sich bei einem Kölner Auktionshaus
und ergatterte ein einjähriges Volontariat. «Es ist unglaublich faszinierend,
Originalkunstwerke in den Händen zu halten», berichtet sie. Manches
Mal muss sie Detektivarbeit leisten, untersucht ein Werk mit der Lupe,
um Alter und Wert zu schätzen und es richtig beschreiben zu können.
Auch gehört es zu ihrem Job, ausländische Kunden zu betreuen, wenn die
bei Versteigerungen per Telefon Angebote abgeben. «Ein Kunsthistoriker
braucht viel Leidenschaft für die Kunst, aber auch viele Zusatzqualifikationen»,
sagt Fassbender, die nebenbei auch als Stadtführerin arbeitet. Von Vorteil
für Kunsthistoriker sind nach Angaben der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung
(ZAV) in Bonn Mehrsprachigkeit - vor allem Englisch, Französisch und
Italienisch sind nützlich - , Auslandserfahrung, betriebswirtschaftliches
Wissen sowie Marketing- und Computerkenntnisse. Auch Praktika sollten
frühzeitig absolviert werden. «Kontakte sind bei der Jobsuche sehr wichtig,
denn die Kunstszene kennt sich», rät Fassbender. Nach der Erfahrung
Pfeiffers können auch Initiativbewerbungen sehr hilfreich sein. Doch
fest steht: Für Kunsthistoriker gibt es immer weniger feste Stellen,
verstärkt werden Projektverträge oder freie Mitarbeit angeboten. Das
eröffnet nach Ansicht von Ingrid Pfeiffer aber auch Chancen: «So kann
man sich auf dem Weg zur Festanstellung erst einmal einen Namen machen.» |
*TIPP* Renate Prochno: Das Studium der Kunstgeschichte ![]()
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