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Papiertechnologe - Sicherer Job für Spezialisten

Bonn (dpa/gms) - Geschenkpapier, Zeitungspapier, Klopapier - ohne den Papiertechnologen gäbe es das nicht. «Er produziert Papier unter der Leitung eines Papieringenieurs», beschreibt Hans-Joachim Blömeke, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) in Bonn, den Beruf, der ein Geheimtipp für junge Azubis ist. «Jeder, der anständige Leistungen bringt, wird übernommen», sagt Blömeke.
Die Papierindustrie, die in Deutschland weit mehr als 50 000 Menschen beschäftigt, fristet ein Schattendasein. «Viele wissen gar nicht, was es da für Jobs gibt», sagt Tanja Reinhold, Sprecherin des Verbandes Deutscher Papierfabriken in Bonn. Papiertechnologen sind gefragte Spezialisten, zudem gibt es viele Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. «Man hat ganz tolle Karrierechancen», sagt Reinhold.
Problematisch ist nach Blömekes Ansicht die Konkurrenz an den Standorten, an denen die Papierindustrie traditionell gut vertreten ist. «Wer im Stuttgarter Raum arbeitet, geht eher zu Daimler oder zu Porsche», sagt er. Wer sich zum Papiertechnologen ausbilden lässt, braucht einen guten Hauptschulabschluss. «Die Noten in den Naturwissenschaften sollten gut sein, aber auch Sprachkenntnisse werden immer wichtiger», sagt Blömeke. «64 Prozent der deutschen Papierfabriken gehören internationalen Konzernen.»
Darum sei die Universalsprache in zahlreichen Firmen Englisch. «Auch beim Absatz werden internationale Wechselbeziehungen deutlich: Rund 50 Prozent der deutschen Produktion gehen in den Export, und 50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Papiers wird importiert», sagt Heike Krämer, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.
Derzeit ist der erste Jahrgang derer in der Ausbildung, denen der neue Beruf des Papiertechnologen vermittelt wird. «Der Papiertechnologe löst den bisherigen Papiermacher ab», erläutert Krämer. «Die neue Berufsbezeichnung verweist auf die gestiegene Bedeutung der technologischen Prozessorientierung.»
Papiertechnologen arbeiten im Schichtdienst an modernen Anlagen, in denen Papier hergestellt wird. «Diese Maschinen sind bis zu 200 Meter lang und 11 Meter hoch», sagt Blömeke. Viel Arbeit findet in den Kontrollhäuschen der hoch technisierten Maschinen statt. «So eine Maschine hat mehr Schaltanlagen als ein Jumbojet», sagt Reinhold. Handarbeit sei immer dann gefragt, wenn ein Problem oder ein Fehler in der Fertigung auftritt. «Dann muss man die Stoffe und die Produktionsvorgänge sehr genau kennen», sagt Blömeke.
Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung, die in den Betrieben und zentral am Ausbildungszentrum in Gernsbach bei Baden-Baden absolviert wird. «Die Ausbildung gliedert sich in zwei Jahre gemeinsame Ausbildung für alle und differenziert im dritten Ausbildungsjahr in die beiden Fachrichtungen "Papier, Karton und Pappe" oder "Zellstoff"», sagt Krämer. Dreimal 16 Wochen werden die Azubis im Papierzentrum ausgebildet - dort ist später auch die Weiterbildung zum Meister möglich. «Zudem gibt es die Möglichkeit, im Berufskolleg eine dreijährige duale Ausbildung zu machen», sagt Reinhold. Lehrlinge verdienen monatlich knapp 700 Euro im ersten Lehrjahr, rund 880 Euro sind es im letzten halben Jahr.
Die Papierindustrie ist nicht der einzige Arbeitgeber: «Die Gesellen wandern ab in die Zulieferindustrie», sagt Blömeke. Die Chemieindustrie bietet interessante Arbeitsplätze an, ebenso die Hersteller der Papiermaschinen. Wer als Abiturient eine Lehre absolviert, hat meist mehr im Sinn. «Das Abi ist der Steigbügel zum Ingenieur», sagt Blömeke. Im deutschsprachigen Raum bilden nur wenige Hochschulen Papieringenieure aus, so dass der Bedarf an Akademikern kaum gedeckt werden kann: Einzig die Fachhochschule München sowie die Universitäten in Darmstadt, Dresden und Graz bieten entsprechende Studiengänge an. Die Ingenieure arbeiten schließlich als Teamleiter, Werksführer, im Management oder in den Forschungs- und Entwicklungslaboren.
«Die papiererzeugende Industrie erwies sich auch in den vergangenen, wirtschaftlich eher komplizierten Jahren als stabil», sagt Krämer. Dennoch ist es mitunter schwierig, alle Ausbildungsplätze mit qualifizierten Lehrlingen zu besetzen: «Alle Berufe, in denen Schichten gearbeitet werden, haben Nachteile», sagt Blömeke. «Doch in den Papierfabriken hat man keine Wahl», ergänzt Reinhold, «dort laufen die Maschinen 365 Tage im Jahr.
Infos im Internet unter »Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP)
Informationen zur Ausbildung und Tätigkeit im Überblick im BerufeNet »Papiertechnologe/-technologin
Von Verena Wolff, 03.10.2005

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