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Nicht nur Akten ablegen - Fachangestellte im Notarbüro werden gesucht

Berlin (dpa/tmn) - An jeder Notarurkunde ist auch ein Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter beteiligt. Zum Beruf gehört weder «Aktenablegen» noch «Verbrecherjagd», wie mancher glaubt. Marlies Stern braucht für ihre Arbeit Akkuratesse, Geduld und Menschenkenntnis. Die Fachfrau von der Deutschen Vereinigung der Rechtsanwalts- und Notariatsangestellten in Berlin warnt vor Klischees zum Berufsalltag der kurz Renos genannten Fachkräfte. Die falschen Vorstellungen seien nicht so selten: «Unser Beruf ist so gut wie unbekannt.» Renos unterstützen Notare bei ihren Dienstleistungen für die Mandanten, erläutert die Bundesarbeitsagentur in Nürnberg. Sie erledigen kaufmännische, rechtliche und organisatorische Arbeiten. So erstellen sie nach Vorgaben Klageschriften, führen Fristen- und Terminkalender, rechnen entsprechend der Gebührenordnung ab oder betreuen Mandanten. Neben Rechtsanwaltskanzleien und Notariaten arbeiten die Fachangestellten bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder in Mahnbüros von Versandhäusern, Warenhausketten, großen Firmen, Banken, Sparkassen und Inkassobüros. Zuständig für die Ausbildung sind die Rechtsanwaltskammern am Sitz des jeweiligen Oberlandesgerichtes. Lehrherren müssen sogenannte Anwaltsnotare sein. Das sind Rechtsanwälte, die nach dem Examen zu Notaren berufen wurden. In vielen Bundesländern arbeiten die Berufsgruppen aber auch getrennt. Dann dürfen sie entweder Rechtsanwalts- oder Notargehilfen ausbilden, erklärt Julia von Seltmann, Geschäftsführerin der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) in Berlin. Die Chance auf einen Ausbildungsplatz stehen derzeit gut. «Die Anwälte bekommen allmählich Angst, dass ihnen die Fachkräfte ausgehen», sagt von Seltmann. Die BRAK wirbt auf einer eigenen Webseite für den Beruf und plant in diesem Frühjahr eine entsprechende Kampagne. «Wir bekommen oft Bewerberinnen, die nirgends unterkamen», sagt Stern. Das liege vor allem daran, dass sich andere Bewerber aus Unkenntnis gar nicht erst dafür interessierten. Jeder dritte Reno hat Abitur, auch Realschüler sind begehrt. Rund 97 Prozent aller Azubis sind weiblich. Dabei war der Beruf noch vor dem Zweiten Weltkrieg eine Männerdomäne. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Angehende Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte setzen sich mit Rechts- und Büropraxis ebenso wie mit Buchführung und Mahnverfahren auseinander. Die Lehre teilt sich in die Zeit in einer Kanzlei und in der Berufsschule. In der Abschlussprüfung vor einer Rechtsanwalts- oder Notarkammer müssen die Azubis in einem halbstündigen Prüfungsgespräch nachweisen, dass sie praktische Fälle lösen können. Wirtschafts- und Sozialkunde, Rechnungswesen, Schreibtechnik, Zivilprozess- sowie Gebühren- und Kostenrecht sind Themen schriftlicher Prüfungen. Azubis bekommen monatlich zwischen 325 Euro im ersten und 525 Euro im dritten Lehrjahr. Die Rechtsanwaltskammer Köln legt mit 400 Euro im ersten und 520 Euro im dritten Jahr deutlich höhere Sätze als die Rechtsanwaltkammer Sachsen (330/450 Euro) nahe. Der Deutsche Anwaltverein empfiehlt Entgelte zwischen 325 und 525 Euro und empfiehlt als Einstiegsgehalt 1200 bis 1400 Euro. Im fünften Berufsjahr sind 1600 Euro möglich - je nach Region. Stern wie von Seltmann halten die vergleichsweise niedrige Entlohnung für einen Grund des überschaubaren Interesses am Berufsstand. Eine andere liegt in der Fehleinschätzung, die Arbeit sei langweilig. «Das ist im Gegenteil ein überaus spannender Beruf», sagt Julia von Seltmann.

Die Zahl der Azubis geht zurück
In Deutschland schlossen im vergangenen Herbst 1977 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag, so die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) in Berlin. Die Gesamtzahl liegt um sieben Prozent unter der des Jahres 2006, als sich 2178 Mädchen und Jungen für den Beruf entschieden. Nach Angaben des Bundesinstitutes für Berufsbildung in Bonn (BIBB) sinken die absoluten Zahlen seit 1991. Damals wurden 3960 Neuverträge registriert. In Ostdeutschland - mit Ausnahme von Berlin - gab es laut BRAK 2007 sogar überhaupt keine neuen Azubis.
«Renos» müssen Manieren zeigen
In Rechtsanwalts- und Notarbüros sollten Berufseinsteiger zeigen, dass sie sich zu benehmen wissen: «Gute Manieren und Diskretion sind ein Muss», betont Marlies Stern. Renos sollten außerdem für jeden Mandanten ein offenes Ohr haben - und sei er noch so aufgebracht wegen einer Testamentseröffnung. Ein Händchen für Zahlen, gute Konzentration und Gespür für die juristische Fachsprache erleichterten vieles, so die Expertin von der Deutschen Vereinigung der Rechtsanwalts- und Notariatsangestellten in Berlin. In internationalen Kanzleien sind Fremdsprachenkenntnisse hilfreich. Mitarbeiten müssen Azubis von Anfang an. Wenn Fristen einzuhalten sind, sollten sich auch Azubis auf Überstunden einstellen.

Informationen im Internet: »Deutsche Vereinigung der Rechtsanwalts- und Notariatsangestellten
Bundesagentur für Arbeit:  »Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r
Von Katlen Trautmann, 29.1.2008
*TIPP*
 

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