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Ausbildung zum ServicefahrerBonn/Berlin (dpa/gms) - Allen
Kraftanstrengungen von Politik und Wirtschaft zum Trotz: Die Lage
auf dem Ausbildungsmarkt ist weiterhin schwierig. Schwer
vermittelbar sind vor allem Jugendliche ohne oder nur mit mäßigem
Schulabschluss. «Lernschwach» nennt sie Bundeswirtschaftsminister
Wolfgang Clement, um daraus gleich eine optimistische
Schlussfolgerung zu ziehen: Wer mit der Theorie im Klassenzimmer
nicht klar komme, sei offenbar eher «praktisch begabt». Genau für
diese Gruppe wurden in jüngster Zeit fünf auf zwei Jahre angelegte
Ausbildungsberufe geschaffen. Einer davon ist der Servicefahrer, der
im Herbst 2005 an den Start geht.
Unterkommen sollen Servicefahrer in Unternehmen, die Waren
transportieren. Insbesondere zielt der neue Beruf auf die Branchen
Textil- und Berufsbekleidungsservice, Hygienedienstleistung,
Lebensmittelversorgung, Automatenbetrieb sowie Kurier-, Express- und
Postdienstleistung ab. Was Servicefahrer von normalen Fahrern
unterscheidet, ist der Umstand, dass sich ihre Arbeit nicht im
Abliefern der Ware erschöpft. «Es werden zusätzliche
Dienstleistungen vor Ort erbracht», sagt Hella Lüth vom Deutschen
Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. «Das geht bis zum
Verkauf neuer Produkte.»
Servicefahrer tragen Geräte oder Möbelstücke ins Haus, stellen sie
auf und schließen sie an. Altgeräte wie Drucker oder Kopierer werden
regelmäßig gewartet oder ausgetauscht, Warenbestände ergänzt. Für
die Kunden sind Servicefahrer auch Ansprechpartner. Sie nehmen
Beschwerden, Reklamationen und zum Teil neue Aufträge entgegen und
informieren über weitere Dienstleistungen. «Die Fahrer sind die
Visitenkarte des Unternehmens», sagt Claus Dietrich, zentraler
Personalleiter von HTS Deutschland in Hamburg. «Da muss man sich
qualifiziert ausdrücken können.» Zu HTS gehören Marken wie der
Waschraumausstatter CWS oder boco, spezialisiert auf
Berufsbekleidung. Vor allem CWS hat großen Bedarf an Servicefahrern,
da die Handtuchrollen des Anbieters regelmäßig ausgetauscht werden
müssen. Das Unternehmen nimmt für sich in Anspruch, 1997 die
Initiative zur Schaffung des Ausbildungsberufes ergriffen zu haben.
«Die neue Ausbildung gibt uns die Möglichkeit, die Qualität unseres
Services deutlich zu steigern», hofft der Personalleiter.
Die Durchsetzung des Servicefahrers ging nicht reibungslos über die
Bühne. «In meinem Regal stehen zwei dicke Ordner Briefwechsel, zum
Teil noch mit der Kohl-Regierung», sagt Dietrich. Bis zuletzt waren
es vor allem die Gewerkschaften, die sich gegen die Einführung
sperrten, unter anderem mit dem Argument, dass theorieschwache
Jugendliche eher länger als kürzer ausgebildet werden müssten.
Während neue Ausbildungsberufe sonst im Konsens erlassen werden,
regelten Arbeitgeber und Regierung den Servicefahrer im Alleingang.
Attraktiv dürfte der Beruf für viele Interessenten schon deshalb
sein, weil er den Erwerb eines Führerscheins umfasst - ein echtes
«Highlight», wie Frank Jander vom Bundesinstitut für Berufsbildung
(BIBB) in Bonn findet. Gefahren werden dürfen damit aber in der
Regel nur die von den Unternehmen eingesetzten Kleintransporter. Wer
hinter das Steuer von schweren Lkw oder Bussen möchte, müsste die
Ausbildung zum Berufskraftfahrer draufsatteln. Rabatt wird dabei
nicht gewährt. «Eine Anrechnung der identischen Qualifikationen ließ
sich leider nicht durchsetzen», beklagt Jander.
Auch weitere Kritik macht sich an diesem Punkt fest: «Der
Servicefahrer ist ein typischer Monoberuf», sagt Torsten Tenbieg,
Bundesjugendsekretär der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in
Berlin. «Wer ihn erlernt, hat kaum die Chance, in seinem Leben noch
einmal etwas anderes zu machen.»
Nach Angaben der betroffenen Branchen könnten jährlich mehrere
hundert Jugendliche die Ausbildung zum Servicefahrer antreten. Doch
bis diese Zahlen erreicht werden, muss noch kräftig die Werbetrommel
gerührt werden - bei Bewerbern und Betrieben. «Es dauert, bis sich
ein neuer Beruf herumgesprochen hat», sagt Hella Lüth vom DIHK. Die
HTS-Gruppe will nach Angaben von Personalleiter Dietrich zum Herbst
20 Auszubildende einstellen, so dass bundesweit zumindest zwei
Berufsschulklassen - eine in Offenbach und eine in Bochum - zustande
kämen.
Bei den Kurier-, Express- und Postdiensten, KEP-Branche genannt, ist
man noch nicht so weit. Hier wird viel mit selbstständigen Fahrern
gearbeitet, die eine Ausbildung nur im Verbund auf die Beine stellen
könnten. Zudem starten ebenfalls im Herbst die beiden Ausbildungen
zur Fachkraft und zum Kaufmann/-frau für Kurier-, Express- und
Postdienstleistungen. «Davon erwarten wir uns deutlich höhere
Ausbildungszahlen», sagt Rudolf Pfeiffer, Vorsitzender des
Bundesverbandes der Kurier-Express-Post-Dienste (BdKEP) in Hamburg.
Finanziell wachsen die Bäume für Servicefahrer nicht in den Himmel.
So beträgt das Einstiegsgehalt bei der HTS-Gruppe derzeit 1903 Euro
im Monat. Die Höherqualifikation werde daran nichts ändern, sagt
Personalleiter Dietrich. «Aber es wird künftig von Nachteil sein,
wenn man die Ausbildung nicht hat.»
Die Ausbildung im Überblick: Bundesagentur für Arbeit: »Servicefahrer/in
Tobias Wiethoff, 01.08.2005
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*TIPP*
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