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Therapeut und Verwaltungsprofi -
Sozialpädagogen sind Generalisten
Bonn/Berlin (dpa/gms) - Es gibt soziale Probleme, die von
den Betroffenen nicht aus eigener Kraft bewältigt werden können.
Menschen in solchen Situationen zu helfen - das ist die Aufgabe von
Sozialpädagogen. «Sozialarbeiter sind Generalisten», sagt Michael
Kriegel, Leiter der Fortbildungsakademie Helene Simon der
Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Bonn. Sie beraten und informieren,
organisieren Hilfsangebote und setzen sie selbst um. Sie sind
Vermittler zwischen Bedürftigen und Behörden, schreiben Gutachten
und vertreten die Interessen ihrer Schützlinge politisch und im
Gespräch mit Entscheidungsträgern.
Sozialpädagogik kann man an Fachhochschulen und Universitäten
studieren. «Der Beruf ist ursprünglich für das Vorschulwesen
entwickelt worden», erklärt Kriegel. «Das hat sich aber völlig
verschoben. Heute sind Sozialpädagogen im Grunde identisch mit
Sozialarbeitern, auch wenn es noch zwei Studiengänge sind.» An
einigen Hochschulen gibt es bereits einen gemeinsamen Studiengang
Sozialwesen. «Wenn man Sozialpädagoge werden will, sollte man nicht
nur Spaß am Umgang mit Menschen haben», sagt Kriegel. «Man muss sich
auch für juristische Fragen und Verwaltungsprozesse interessieren
und gut organisieren können.» Ein wichtiger Arbeitgeber sind neben
den Kommunen die Kirchen und ihnen angeschlossene Organisationen.
Auch bei Regionalverbänden, Körperschaften, Anstalten, Stiftungen,
den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege und andere gemeinnützigen
Organisationen, privaten Träger und Großbetrieben sind
Sozialpädagogen beschäftigt. Sozialpädagogen arbeiten in
Beratungsstellen, Heimen und Tagesstätten aller Art, betreuen
Jugendliche und Alte ebenso wie Behinderte und Obdachlose - häufig
auch im Schichtdienst. «Der Beruf kann sehr aufreibend und psychisch
belastend sein», sagt Kriegel. Wichtig sei es, vor Beginn des
Studiums die eigene Motivation zu hinterfragen: «Es ist nicht gut,
wegen eigener Probleme Sozialpädagoge werden zu wollen», erklärt
Thomas Niermann, Diplom-Sozialpädagoge beim Deutschen Paritätischen
Wohlfahrtsverband in Berlin. Ziel eines Sozialarbeiters müsse sein,
sich selbst ersetzlich zu machen. «Es geht darum, einem Menschen zu
helfen, wieder alleine klarzukommen.» Immer wieder stünden
Sozialarbeiter dabei vor der Frage, ob sie in bestimmten Situationen
richtig gehandelt haben, sagt Niermann. Im Gegenzug biete die Arbeit
aber sehr positive Erfahrungen: «Zu sehen, dass man wichtig ist für
einen Menschen und dass man positiven Einfluss auf sein Leben hatte
- das ist toll.»
Arbeit für Sozialpädagogen gibt es genug - und künftig wegen des
demographischen Wandels wahrscheinlich noch mehr. Dennoch wurden in
den vergangenen Jahren etliche Stellen gestrichen oder mit geringer
Qualifizierten besetzt. Erst im vergangenen Jahr habe sich die
Situation etwas entspannt, sagt Manfred Bausch von der Zentralstelle
für Arbeitsvermittlung (ZAV). Derzeit seien rund 9000 Sozialarbeiter
und Sozialpädagogen als arbeitslos gemeldet, mehr als 70 Prozent von
ihnen Frauen. «Neue Einstiegsmöglichkeiten gibt es wegen geänderter
Gesetze vor allem bei der Arbeitsvermittlung», erklärt Bausch.
«Bevorzugt werden Bewerber, die bereits Integrationsprojekte mit
Jugendlichen oder bei privaten Arbeitsvermittlern betreut haben.» Da
mittlerweile mehr als die Hälfte der neu angebotenen Jobs an ein
befristetes Projekt gebunden seien, sei die Fluktuation groß. Zudem
liege der Anteil an Teilzeitstellen mit etwa 40 Prozent der
Stellenangebote hoch.«Berufsanfänger können derzeit mit einem
monatlichen Gehalt von etwa 2100 Euro rechnen», so Bausch. «Bei
vielen privaten Trägern gibt es aber nach unten abweichende
Haustarife.» Deshalb kann sich der Blick über die Landesgrenzen
lohnen: «In Großbritannien werden für qualifizierte Sozialarbeiter
und Sozialpädagogen Monatsgehälter von 3000 Euro als
Dauerarbeitsverhältnisse angeboten.» In Deutschland sei es sinnvoll,
nicht ausschließlich nach einer Festanstellung zu suchen. «Immer
mehr Dienste im Sozialen Bereich werden outgesourct», erklärt
Bausch. «Für die Sozialpädagogen bedeutet das, dass sie immer öfter
als Selbstständige arbeiten.» Auch Niermann fordert dazu auf,
kreativ mit der veränderten Situation umzugehen: «Es gibt Nischen,
zum Beispiel bei der Selbsthilfe.» Künftig gehe es bei
Sozialarbeitern weniger darum, direkt und in Einzelbetreuung zu
helfen, sondern Hilfe und juristische Unterstützung zu vermitteln.
«Ansprechpartner aus den verschiedenen Bereichen zu einem
Hilfesystem zu vernetzen, wird immer wichtiger.»
Die Ausbildung im Überblick: Bundesagentur für Arbeit
»Dipl.-Sozialpädagoge/-pädagogin
(FH) und »Dipl.-Sozialpädagoge/-pädagogin
(Uni)
Annett Klimpel, 10.4.2006 |
*TIPP*
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