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Steuerfachangestellte müssen mit vielen Zahlen jonglieren

Berlin (dpa/gms) - Die eigene Steuererklärung treibt vielen Menschen den Angstschweiß auf die Stirn und bereitet ihnen schlaflose Nächte. Kompliziertes Zahlenwerk, verzwickte Regelungen und häufig wechselnde Gesetze sind es dann auch, die immer mehr Steuerzahler dazu bringen, ihre Erklärung von einem professionellen Steuerberater erstellen zu lassen. Doch was für manchen Menschen die pure Qual bedeutet, ist für Steuerberater oder Steuerfachangestellte umso faszinierender: der tägliche Umgang mit Zahlen und Regeln und die ständige Auseinandersetzung mit dem Finanzamt.
Der Weg zum Steuerfachangestellten führt über die dreijährige Ausbildung. «Der Beruf des Steuerfachangestellten ist sehr anspruchsvoll», sagt Susanne Wanagas von der Bundessteuerberaterkammer in Berlin. Es handle sich nicht nur um eine Assistententätigkeit, vielmehr habe der Steuerfachangestellte ein hohes Maß an Verantwortung. Das Aufgabengebiet umfasst die Buchführung ebenso wie die Lohn- und Gehaltsabrechnung, das Vorbereitungen und Erstellungen von Jahresabschlüssen sowie das Anfertigen von Steuererklärungen. Steuerfachangestellte arbeiten vor allem bei Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern oder in großen Buchprüfungsgesellschaften.
Doch viele Aufgaben, die früher der Steuerfachangestellte übernommen hatte, werden heute vom Chef - also vom Steuerberater selbst - erledigt. «Daran sind auch die hochwertigen EDV-Programme schuld, die eine einfachere Handhabung etwa von Steuererklärungen ermöglichen», sagt Wanagas. Aus diesem Grund werde der Bedarf an Steuerfachangestellten heute nicht mehr so hoch eingeschätzt; viele freie Stellen würden nicht mehr besetzt. Das schlägt sich auch auf die Zahl der Auszubildenden nieder. Sie hat sich von rund 26 000 im Jahre 1991 auf etwa 18 500 (Stand: 2005) verringert. Der Anteil der Abiturienten liegt bei 59 Prozent. Doch auch bei diesen Auszubildenden seien oft Defizite vorhanden. «Die Anforderungen an den Auszubildenden sind sehr hoch - viel höher als bei anderen Ausbildungszweigen», sagt Wanagas. Dennoch sind Realschulabgänger den Arbeitgebern fast noch lieber als Abiturienten - denn diese nehmen häufig nach einer mehrjährigen Berufserfahrung als Angestellte die Ausbildung zum Steuerfachwirt und Steuerberater in Angriff und werden so zur potenziellen Konkurrenz. «Der Markt ist verteilt, es gibt zu viele Kanzleien», sagt Roland Engelhardt, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus Fellbach. Viele scheuten aber den Weg in die Selbstständigkeit. Heute gebe es viel mehr angestellte Steuerberater als früher. «Alleine die Kosten für die aufwendigen EDV-Programme, Literatur, Fachmagazine und Schulungen schreckt viele ab», sagt Fellbach. So wie noch vor zehn Jahren, als viele sich auf Grund einer vermeintlich sicheren Perspektive zum Steuerberater hätten ausbilden lassen und ein eigenes Büro eröffneten, sei es nicht mehr. Hauptsächlich Frauen wählen den Weg in die Steuerbranche. Mehr als zwei Drittel aller angehenden Steuerfachangestellten sind weiblich. «In diesem Beruf kann man gut und flexibel von zu Hause arbeiten und Beruf und Familie miteinander verbinden», sagt Engelhardt. Auch in seiner Kanzlei liegt die Frauenquote bei 90 Prozent. Einer der wenigen männlichen Azubis ist Sebastian Birkenauer. Er hat seine Ausbildung zum Steuerfachangestellten im Juli in der väterlichen Kanzlei in Düsseldorf begonnen. «Was wir in der Schule lernen müssen, ist schon ziemlich hart», sagt er. Doch die interessante Arbeit in der Kanzlei entschädige dafür. «Jeder Mandant ist anders, bei jedem muss man völlig anders agieren - das ist unglaublich spannend.» Wer sich für einen Beruf in der Steuerbranche entscheidet, sollte nach Engelhardts Einschätzung vor allem vier Eigenschaften mitbringen: «Das Gefühl für Zahlen, hohe Lernbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und ein hohes Maß an Flexibilität.» Gerade in dieser Branche müsse der Prüfer oder Angestellte hervorragende Arbeit leisten - schließlich sei das Ergebnis für den Mandanten in barer Münze messbar. Der Beruf sei ein sicherer Job - vorausgesetzt der Steuerexperte leiste gute Arbeit. Vor allem sei aber eines entscheidend, sagt Engelhardt: «Man muss wirklich dafür geboren sein.»
Die Ausbildung im Überblick: Bundesagentur für Arbeit: »Steuerfachangestellte/r
Claudia Bell, 22.01.2007
*TIPP*

 

 

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