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Tierwirt - Betreuer für Rind,
Schwein, Schaf, Geflügel, Pelztier und Biene
Bonn/Wildeshausen (dpa/gms) - Kaum eine Branche hat mit so vielen
Klischees zu kämpfen wie die Landwirtschaft. «Die meisten denken,
dass bei uns alle in Gummistiefeln und mit Forke in der Hand durch
die Gegend laufen», wundert sich Martin Lambers vom Deutschen
Bauernverband in Bonn. Dabei erfordert die professionelle Arbeit mit
Schwein, Rind und Geflügel weit mehr als Tierliebe. «Der Tierwirt
ist eine hoch spezialisierte Fachkraft», erklärt Josef Göbel,
Referatsleiter Ausbildung bei der Landwirtschaftskammer
Nordrhein-Westfalen.
Mit bundesweit etwa 1600 Tierwirt-Azubis liegt die Zahl weit unter
der der angehenden Landwirte, von denen es knapp 9200 gibt. Eine
neue Ausbildungsverordnung, die am 1. August 2005 in Kraft getreten ist,
soll die Lehre weiter differenzieren und mehr Jugendliche für den
Beruf begeistern. Denn an guten Auszubildenden fehlt es vielen
Betrieben.
Im dritten Lehrjahr spezialisieren sich die angehenden Tierwirte von
nun an in den Fachrichtungen Rinder-, Schweine- oder Geflügelhaltung
sowie Schäferei oder Imkerei; die Pelztierhaltung ist mangels Masse
weggefallen. Damit soll den Erfordernissen stark spezialisierter
Betriebe in der Tierproduktion Rechnung getragen werden, so das
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.
Bislang entschieden sich die Azubis im zweiten Lehrjahr für zwei
Schwerpunkte und dann im dritten für einen einzigen.
«Die neue Verordnung soll mehr Praxisnähe bringen», sagt
Referatsleiter Göbel. Statt einer schriftlichen, mündlichen und
praktischen Prüfung gibt es künftig eine praktische, der ein
Fachgespräch über die gerade abgeprüfte Praxis folgt. Eine
schriftliche Prüfung gibt es zwar auch noch, hat aber wesentlich
weniger Gewicht.
«Ein Stück Metall ist ein Meter lang und bleibt ein Meter lang»,
sagt der Land- und Tierwirt Friedrich Ahlers aus dem
niedersächsischen Wildeshausen, der an der Novellierung der
Ausbildung mitgewirkt hat. Im Gegensatz dazu sei jedes Tier anders.
«Man braucht dafür viel Feingefühl und ein Auge für die Tiere»,
ergänzt Martin Lambers vom Bauernverband.
Ein gewisses Maß an Kraft ist außerdem eine Voraussetzung, die
jedoch Frauen nicht von vorneherein für den Job ausschließt. Etwas
weniger als die Hälfte der 1600 Azubis sind weiblich. «Doch um eine
störrische Sau zu beruhigen, muss man schon mal ein wenig sanfte
Gewalt anwenden», sagt Ahlers, der in Wildeshausen einen Betrieb mit
mehreren tausend Schweinen betreibt.
Diese «sanfte Gewalt» wollen die Landwirte nicht falsch verstanden
wissen: «Unverständlicher Weise haftet den Tierwirten oft der Ruf
von Tierquälern an», erklärt Lambers. Auch diesem Vorurteil soll die
neue Verordnung entgegen wirken: Auf Tierschutz, Nachhaltigkeit und
Umweltschutz liegt von nun an ein weiterer Schwerpunkt.
Zudem stehen betriebswirtschaftliche und technische Grundlagen auf
dem Stundenplan. «Man muss schließlich oft eine ganze Herde managen,
Futtermittel berechnen, Impfungen und Stallgröße», erklärt Josef
Göbel. Der Umgang mit dem Computer ist ein Muss: «Ein Tierwirt muss
die Klima- und Fütterungsautomaten bedienen können», erklärt Lambers.
Mittlerweile seien landwirtschaftliche Betriebe hoch technologisiert
und kapitalintensiv. «Ein Fehler bei der Bedienung der
Lüftungsanlage kann verheerende und teure Konsequenzen haben.»
Theoretisch ist kein spezieller Schulabschluss Voraussetzung. Doch
die Praxis sieht anders aus. Wie aus einer Statistik der
Landwirtschaftskammer NRW hervorgeht, haben bundesweit 43 Prozent
der Auszubildenden den Hauptschulabschluss, ebenfalls 43 Prozent die
Mittlere Reife, 4 Prozent Abitur - der Rest entfällt auf andere
Berufsabschlüsse.
«Für Jugendliche ohne Schulabschluss ist die Tierwirt-Prüfung meist
kaum zu schaffen», weiß Landwirt Ahlers aus Erfahrung. Seit Jahren
hat er jeweils zwei Auszubildende - oft mit Abitur. «Viele gehen
danach in den elterlichen Betrieb oder wollen noch studieren», sagt
Ahlers. Eine Alternative ist nach drei Jahren Berufserfahrung die
Meisterprüfung, meist mit dem Ziel Betriebsleiter zu werden.
Auch vorher ist die Bezahlung nicht schlechter als in anderen
Ausbildungsberufen. Im Durchschnitt liegen die Gehälter nach Angaben
der Landwirtschaftskammer NRW bundesweit bei etwa 1600 Euro
monatlich. Je nach Region und Betrieb sind auch Anfangsgehälter von
2000 Euro monatlich nicht unrealistisch.
Mit oder ohne Weiterqualifizierung sind die Jobchancen gut. «Der
Bedarf steigt, weil gerade in großen Betrieben eine ganz neue
Arbeitsebene entsteht», sagt Lambers. Mittlerweile gebe es nicht
mehr nur den Arbeitgeber und die Angestellten, sondern zunehmend
auch so etwas wie Betriebsleiter. Vor allem im Osten der Republik
sei die Nachfrage groß. Und die Zahlen sprechen für diese Prognose:
1995 gab es bundesweit 316 Tierwirt-Ausbildungsverträge, im
vergangenen Jahr
585, Tendenz steigend.
Informationen im Internet: Bundesagentur für Arbeit:
»Tierwirt/in
Von Britta Schmeis, 24.10.2005
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*TIPP*
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