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Nicht mehr wie Meister Eder: Tischler
sind moderne Experten für Holz
Berlin/Hamburg (dpa/gms) - Tischler sind nach wie vor die
Spezialisten für Holz. Sie stellen daraus Möbel her, aber zum Beispiel
auch Bauelemente. Ihr Arbeitsalltag hat sich jedoch in den vergangenen
Jahrzehnten spürbar gewandelt - genau wie die Anforderungen an ihren
Beruf. Seit dem neuen Ausbildungsjahr 2006 gilt nun eine neue Ausbildungsordnung,
die beides berücksichtigt.
Überlegungen, die Ausbildung von Tischlern und Holzmechanikern zusammenzulegen,
sind damit vom Tisch. «Tischler arbeiten zwar immer noch vorwiegend
mit Holz und Holzwerkstoffen wie Spanplatten», sagt Arne Bretschneider,
Referent für Berufsbildung beim Bundesverband Holz und Kunststoff in
Berlin. «Aber was die Technik angeht, hat sich in den vergangenen Jahren
unheimlich viel geändert», ergänzt Jürgen Großer, Tischlermeister und
Mitglied im Berufsbildungsausschuss der Handwerkskammer Hamburg. Den
Umgang mit Maschinen wie der Bandsäge sind Tischler schon lange gewohnt.
«Aber es wird auch immer mehr mit CAD und CNC gearbeitet», sagt Großer
- der Computer hat Einzug in die Tischlereien gehalten. «Viele Kunden
haben noch das Bild im Kopf, wie Meister Eder mit dem Hobel in der Werkstatt
steht», sagt Bretschneider, der selbst ausgebildeter Tischler ist. Aber
das stimmt nicht mehr. Auch das Tischlerhandwerk kommt nicht ohne moderne
Technik aus. Die Jugendlichen, die sich für den Beruf interessieren,
wüssten das meistens aber auch: «Die wollen sogar am Computer zeichnen.»
Der PC wird in vieler Hinsicht zum Alltagswerkzeug in der Werkstatt:
Auch das Suchen nach Informationen im Internet müssten Tischler heute
beherrschen, sagt Bretschneider - «genau wie das Benutzen von Online-Katalogen
zum Beispiel zur Materialbestellung.» «Die neue Ausbildungsverordnung
berücksichtigt diese Entwicklungen», sagt Dieter Weiß, der beim Bundesinstitut
für Berufsbildung (BIBB) in Bonn daran mitgearbeitet hat. «Die Ausbildung
in CNC-Technik ist jetzt vorgeschrieben und auch Bestandteil der Prüfung.»
CNC steht für «Computerized Numerical Control» und meint computergesteuerte
Maschinen, beispielsweise zum Fräsen, Drehen oder Schleifen. Insgesamt
sind Weiß zufolge eine Reihe von Qualifikationen neu in die Ausbildungsverordnung
aufgenommen beziehungsweise deutlicher akzentuiert worden. Dazu zählen
beispielsweise auch Arbeiten im Team und das Vornehmen von Montagearbeiten
inklusive des Einbaus elektrischer Einrichtungen. «Auch Gespräche und
das Abstimmen mit Kunden haben einen größeren Stellenwert bekommen»,
berichtet Weiß.
Der Beruf wird also nicht einfacher - viele Innungen und Meister hätten
sich deshalb eine dreieinhalbjährige Ausbildung gewünscht, sagt Jürgen
Großer, er selbst auch. Doch es bleibt bei drei Jahren. Auch wenn die
Ansprüche an die Theorie gewachsen sind, Abstriche in der Praxis gibt
es deshalb nicht: Zwei linke Hände dürfen Azubis nicht haben. «Man muss
schon noch mit einer Säge umgehen können», sagt Arne Bretschneider.
Die vollautomatisierte Produktion nach dem Motto «hinten den Baumstamm
reinschieben, vorne kommt der Stuhl raus», die gebe es eben noch nicht.
Überhaupt lassen sich die rund 42 500 Betriebe in Deutschland nicht
über einen Kamm scheren: «Es gibt schon noch Tischlereien, die ganz
klassisch ausbilden und sich zum Beispiel auf Restauration spezialisiert
haben», sagt Bretschneider. Dann wird auch bevorzugt mit traditionellem
Werkzeug gearbeitet. Andere Betriebe mit 60 oder 70 Mitarbeitern, die
zum Beispiel Messestände für die Automobilindustrie bauen, müssen ganz
anders arbeiten. Die Zahl der Tischlereien insgesamt ist rückläufig
- auch als Folge der Flaute in der Bauwirtschaft, von der viele Betriebe
abhängen. Die Zahl der Azubis geht daher ebenfalls zurück. «Rund ein
Drittel der Tischlereien bildet aus.» Bewerber gibt es oft deutlich
mehr als Lehrstellen. Die Tendenz geht dahin, eher Realschüler und Abiturienten
einzustellen. «Aber auch Hauptschüler haben eine Chance», sagt Bretschneider.
Für viele Abiturienten ist eine Tischlerlehre als Grundlage für ein
späteres Studium interessant - zum Beispiel, um Architekt oder Bauingenieur
zu werden. Tischler ist weitgehend ein Männerberuf: Der Frauenanteil
bei den Azubis liegt unter zehn Prozent. Die Ausbildungsvergütung ist
regional unterschiedlich. Sie beginnt zum Beispiel in Bayern bei monatlich
360 Euro im ersten Lehrjahr und erreicht 585 Euro im dritten. In Ostdeutschland
reicht die Spanne von 286 bis 439 Euro. Im ersten Gesellenjahr ist mit
1720 Euro (in Ostdeutschland 1432 Euro) zu rechnen. Wer sich für den
Beruf interessiert, kann einen Eignungstest machen, den der Bundesverband
entwickelt hat. «Dabei werden Kenntnisse im Rechnen, der Rechtschreibung,
Allgemeinbildung und räumliches Vorstellungsvermögen geprüft», erklärt
Bretschneider. Möglich ist das in den Innungen und bei vielen Betrieben
generell in der Woche vom 20. bis 25. November, auf Anfrage oft auch
außerhalb dieses Zeitraums. «Wer den Test besteht, bekommt ein Zertifikat,
das bei Bewerbungen eingereicht werden kann.» Auch das ist ganz anders
als zu Meister Eders Zeiten.
Informationen im Internet: Bundesagentur für Arbeit:
»Tischler/in
Von Andreas Heimann, 14.8.2006
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*TIPP*
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