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Präzision ist Pflicht: Werkzeugmechaniker müssen Maßarbeit abliefern

Dingolfing/Bonn (dpa/tmn) - Ein tausendstel Millimeter Abweichung ist für Martin Lummer schon zu viel. Denn der angehende Werkzeugmechaniker im BMW-Werk im bayerischen Dingolfing muss absolute Maßarbeit abliefern, wenn er an seiner Maschine Telefonantennen für Auto-Freisprechanlagen stanzt. Keine leichte Aufgabe: Für seinen Job braucht der 18-Jährige nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch viel technisches Fachwissen, um die Maschinen bei der Metallverarbeitung richtig steuern zu können. Die Jobaussichten sind dafür gut: Fachleute wie Lummer sind in der Industrie gesucht. «Werkzeugmechaniker bauen Spezialwerkzeuge für die Serienproduktion - damit werden dann zum Beispiel Telefonhörer, Kugelschreiber oder Kotflügel gemacht», sagt Petra Westpfahl vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. «Mit klassischen Werkzeugen wie Hammer oder Schraubenzieher hat das also wenig zu tun.» Wenn die Metallbauer nicht wie Martin Lummer in den Werkhallen von Autofirmen tätig sind, arbeiten sie häufig im Maschinenbau und bei Unternehmen, die medizinische Geräte wie Skalpelle oder Pinzetten herstellen. Die Fachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt gefragte Leute: «Das ist schon jetzt ein sehr gesuchtes Profil - und der Bedarf wächst weiter», sagt Alfred Zedtwitz vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt/Main. Für die Firmen sei es derzeit schwer, qualifizierten Nachwuchs zu finden. So gibt es laut der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg für angehende Werkzeugmechaniker mehr freie Ausbildungsstellen als Bewerber. Demnach gab es im März knapp 1500 Anwärter für rund 3200 offene Ausbildungsjobs - auf rund zwei Lehrstellen kommt also nur ein potenzieller Lehrling. Zugleich ist die Zahl der jährlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge seit 1998 von rund 2500 auf knapp 6800 in 2006 gestiegen. «Entsprechend gut sind nachher die Jobchancen», sagt Alfred Zedtwitz. Der tarifliche Bruttolohn beträgt derzeit laut der Arbeitsagentur rund 2600 Euro im Monat. Die Vergütung während der Ausbildung liegt knapp über 700 Euro. Werkzeugmechaniker ist bislang allerdings fast ein reiner Männerberuf: Die Frauenquote lag den Statistiken zufolge in den vergangenen Jahren unter zwei Prozent. Die Mechaniker müssen zum einen handwerklich mit Metall umgehen können. «Man lernt also erst einmal Grundlagen der Verarbeitung wie das Feilen, Fräsen oder Schleifen», sagt Michael Brümmer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar in Heidelberg. Daneben ist aber auch technisches Können nötig. «Die Produktion wird in diesem Bereich immer automatisierter - man muss daher auch Maschinen bedienen und einstellen können», sagt Petra Westpfahl vom BIBB. So müssten Werkzeugmechaniker etwa den CNC-Maschinen-Code (Computer-Numeric-Control) programmieren können. Auch hätten sie es oft mit komplizierten technischen Zeichnungen zu tun, die sie schnell verstehen und umsetzen müssen, sagt Brümmer, der früher als Ausbilder tätig war. «Man braucht daher auf jeden Fall ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.» Um einen Ausbildungsplatz zu finden, seien außerdem gute Noten in Mathematik von Vorteil. «Und mindestens ein Hauptschulabschluss ist Pflicht.» Während der Produktion müssen Werkzeugmechaniker die Ergebnisse mit speziellen Messgeräten kontrollieren. «Präzision ist dabei oberstes Gebot», sagt Westpfahl. «Das muss auf den Nanometer genau passen.» Heute werde von den Metallbauern außerdem ein hohes Maß an Teamfähigkeit verlangt, weil sie beim Überprüfen der Maschinen die gesamte Produktion im Auge haben müssen. Aufgabe eines Werkzeugmechanikers ist es darüber hinaus, Maschinen zu warten und zu reparieren - dazu muss er die Geräte wie seine Westentasche kennen. «Ein guter Werkzeugmechaniker hört das sofort, wenn es irgendwo an der falschen Stelle scheppert», sagt Westpfahl.

INFO-KASTEN: Ausbildungswege zum Werkzeugmechaniker
Die Lehre zum Werkzeugmechaniker dauert dreieinhalb Jahre. Sie wird meist als duale Ausbildung in Unternehmen plus Berufsschule angeboten. Wer in seiner Nähe keinen Lehrbetrieb findet, kann die Lehre in einigen Regionen aber auch komplett an der Berufsschule absolvieren. Die praktischen Fertigkeiten erlernen die Auszubildenden dann in den Lehrwerkstätten der Schule. Seit der Neuordnung der Ausbildung 2004 ist der Abschluss zweigeteilt: Nach 18 Monaten müssen Auszubildende eine Zwischenprüfung ablegen, die zu 40 Prozent in die Abschlussnote einfließt.

Informationen im Internet:
BerufeNet der Bundesagentur für Arbeit: »Werkzeugmechaniker/in
Tobias Schormann, 14.4.2008

*TIPP*

 

 

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